Huawei P10 Lite Test

Lite-Version des Huawei-Flaggschiffs auf dem Prüfstand

SmartWeb Test vom , 0 82 / 100
Huawei P10 Lite

Huawei bleibt seiner Verkaufsstrategie treu und veröffentlicht auch das Spitzenmodell P10 in einer abgespeckten Version. Getauft auf den Namen Huawei P10 Lite soll das Smartphone eine günstigere Variante zu seinem großen Bruder darstellen. Ob es sich um einen würdigen Ableger handelt, wollten wir im Praxistest herausfinden.

Huawei P10 Lite
"gut"
82/100
Stand: 06.02.18

Einschätzung

  • hervorragende Verarbeitung
  • 4 GB Arbeitsspeicher
  • 3.000 mAh Akku mit Schnellladesystem
  • Multifunktionaler Fingerabdrucksensor
  • teilweise schwächelnde Kamera
  • keine IP-Schutzmaßnahmen

Das Huawei P10 Lite lässt sich guten Gewissens im soliden Mittelfeld einordnen. Obwohl es nicht ganz so viel mit seinem großen Bruder gemeinsam hat, bringt Huawei dennoch ein schickes und gut verarbeitetes Smartphone mit seinen eigenen Höhen und Tiefen auf den Markt.

Huawei ist längst fest auf dem deutschen Handy-Markt etabliert und bietet schicke, gut verarbeitete Smartphones in allen Preisklassen. Die aktuellen Aushängeschilder heißen Mate 10 Pro und P10, die in unseren Tests vollends überzeugen konnten (siehe Huawei Mate 10 Pro Test | Huawei P10 Test). Letzteres haben die Chinesen im vergangenen Jahr noch in zwei weiteren Ausführungen ins Rennen geschickt. Die Rede ist von der XXL-Version P10 Plus und der abgespeckten Variante namens P10 Lite.

Die Lite-Version platziert sich in der Mittelklasse der Smartphone-Hierarchie, fernab von dem noch erschwinglicheren Einsteigersegment. Preislich lässt sich das P10 Lite mit einer Preisempfehlung von 349 Euro nicht lumpen und stellt das bislang teuerste Lite-Smartphone von Huawei dar.

SmartWeb Test-Fazit
Stefanie

Huawei bringt mit dem P10 Lite ein solides Basis-Smartphone in der mittleren Klasse auf den Markt. Verarbeitung und Optik sichern dem Gerät schon eine Menge Pluspunkte. Das robuste Gehäuse besticht mit einem schönen Design, der auf der Rückseite platzierte Fingerabdruckscanner ist multifunktionsfähig und das Display hinterlässt auch einen positiven Eindruck. Die Technik des P10-Ablegers erledigt ihre Arbeit zufriedenstellend, wenngleich die Kamera und die Performance nicht immer völlig überzeugen.

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Schön verarbeitetes Gehäuse mit Fingerprintsensor

Das Huawei P10 Lite kommt in einer schicken weißen Box mit Akzenten in Lila und Blau in die SmartWeb Redaktion. Die Verpackung gefällt auf den ersten Blick und der Lieferumfang bringt die wichtigsten Zubehörteile mit. Dazu gehören beispielsweise das Ladekabel für den leider schon nicht mehr ganz aktuellen Micro-USB-2.0-Anschluss und ein 3,5 mm Headset - Gegner des aktuellen Trends der fehlenden Kopfhörerbuchse können hier schon einmal aufatmen. Diese befindet sich nämlich wie gewohnt am unteren Gehäuserahmen.

Nicht nur die Verpackung macht optisch etwas her, sondern auch der Hauptdarsteller unseres Smartphone-Tests selbst. Das Gehäuse macht mit seinem diamantgeschliffenen Metallrahmen einen edlen und gut verarbeiteten Eindruck; die sauber abgerundeten Kanten des 2.5D-Glas sorgen obendrein für ein gutes Gefühl in der Hand. Etwas unerwartet fallen allerdings die Abmessungen des Lite-Geräts aus. Mit 146,5 x 72 x 7,2 mm ist es ein wenig größer aus als das P10 mit 145,3 x 69,3 x 7 mm. Gewichtstechnisch bringt das P10 Lite ein gesundes Mittelmaß von 146 Gramm auf die Waage und rundet so die äußerlichen Eigenschaften stimmig ab. Einziges Manko ist die fehlende Absicherung durch eine IP-Zertifizierung.

Um das Gerät bequem zu entsperren und vor fremden Händen schützen zu können, lässt es sich Huawei  nicht entgehen einen Fingerabdrucksensor einzubauen. Dieser befindet sich nicht wie beim P10 auf der Vorderseite, sondern ganz klassisch hinten unter den Kameralinsen. Der Sensor funktioniert hervorragend und bietet über seine Hauptfunktion hinaus noch weitere Nutzungsmöglichkeiten. Nach manueller Anpassung in den Einstellungen können Nutzer auch noch die Kamera auslösen, Anrufe annehmen, das Benachrichtigungsfeld aufrufen und die Bildergalerie durchsuchen.

Huawei tobt sich farblich aus

Was die Farbvariationen des P10 Lite betrifft, haben die Chinesen tief in die Trickkiste gegriffen. Unser Testgerät erreichte uns in der Standard-Farbe Graphite Black, ansonsten gibt es das Gerät noch in einem schicken Pearl White mit goldenem Rahmen und einer völlig in Gold getränkten Ausführung namens Platinum Gold. Mit einer wirklich auffallenden Optik kann aber nur die Version in Sapphire Blue glänzen. Hier haben sich die Hersteller von fließendem Wasser inspirieren lassen und das Gehäuse mit einer 0,1 mm dicken Effektschicht unter der Glasabdeckung auf der Rückseite ausgestattet, die je nach Lichteinfall die Optik von Wellen nachahmen soll.

Huawei P10 Lite

Intuitive Bedienung auf farbenfrohem Display

Das LCD-Display des Huawei P10 Lite misst 5,2 Zoll in der Diagonale (13,21 cm) und ist somit etwas größer als das Display des Standard-Modells. Positiv fallen die fast nicht vorhanden Displayränder auf, obwohl es sich hier nicht um einen Bildschirm mit einem 18:9-Anzeigeverhältnis handelt. Bei beiden Geräten sorgt die Auflösung in Full-HD (1.920 x 1.080 Pixel) zusammen mit einer Pixeldichte von 424 ppi für eine ausreichend Schärfe. Auch das Farbspektrum und die maximale Helligkeit von 422 cd/m² überzeugen. Kippt man das Gerät ein wenig und betrachtet den Bildschirm aus unterschiedlichen Blickwinkeln, verändern sich der Kontrast und die Farben nicht bedeutend. Wer mit den Displayeinstellungen ab Werk aber trotzdem nicht zufrieden ist, kann sowohl die Helligkeit als auch die Farbtemperatur nach Lust und Laune anpassen. Um bei Nacht die Augen zu entlasten, verfügt das Gerät darüber hinaus über einen Komfort-Modus mit Blaulichtfilter.

Die Navigation erfolgt intuitiv und erfordert keine großen Erklärungen. Beim Betriebssystem setzt Huawei ab Werk auf Android 7.0 Nougat, passend dazu kommt die Nutzeroberfläche EMUI 5.1 zum Einsatz. Ein Rollout des neuen Android-Updates auf 8.0 Oreo wurde bereits für das erste Quartal 2018 angekündigt. Neben der Nutzung des Touchscreens erfolgt die Steuerung zudem nicht über physische Buttons, sondern über On-Screen-Tasten. Der Standardbildschirm kann nach Belieben in den Einstellungen auf Standard oder App Drawer umgestellt werden.

Screenaufnahmen via Knuckle Sense-Technologie

Zum ersten Mal in der Produktionshistorie von Huawei-Smartphones stattet das chinesische Unternehmen ein Lite-Smartphone mit der sogenannten "Knöcheltechnologie" aus. Mit dieser Funktion können Anwender durch Klopfen mit dem Fingerknöchel Screenshots und Videoaufnahmen vom Bildschirm machen oder bestimmte Befehle auf das Display zeichnen, um beispielsweise einen Scrollshot zu erstellen. Bei einem Scrollshot wird die Größe eines zu großen Bilds oder Artikels entsprechend angepasst und abgespeichert. In der Theorie handelt es sich bei der Knuckle Sense-Technologie um ein interessantes Feature, in der Praxis wird der typische Gewohnheitsmensch wohl aber trotzdem zu den gängigen Screenshot-Methoden zurückgreifen.

Mittelklasse-Prozessor mit 4 GB RAM

Für die nötige Rechenleistung sorgt der zum Erscheinungszeitraum aktuelle Octa-Core-Prozessor von HiSilicon. Im Kirin 658 arbeiten jeweils vier Kerne mit einer Taktfrequenz von bis zu 2,1 GHz und 1,7 GHz. Zur Unterstützung stehen ihm der Grafik-Chip Mali-T830 MP2 und Huaweis i5-Co-Prozessor zur Seite. Letzterer ist unter anderem für die Stromregulierung zuständig. Zwar kann die hier geleistete Performance nicht mit dem Kirin-960-Chip des P10 mithalten, doch das tut dem ambitionierten Mittelklasse-Smartphone keinen großen Abbruch. Bei der alltäglichen Nutzung konnten keine auffälligen Ruckler festgestellt werden, unter Hochleistung kam das Gerät dagegen hin und wieder etwas ins Stocken.

In puncto Arbeitsspeicher haben sich die Chinesen von ihrer spendablen Seite gezeigt und das P10 Lite mit 4 GB ausgestattet. Apps, Videos, Fotos und Audio-Dateien finden im 32 GB großen Speicherdepot Platz. Besonders aktive Nutzer können hier allerdings schnell an ihre Grenzen kommen, denn zur freien Verfügung stehen nur rund 20 GB. Um den Speicher auf bis zu 256 GB zu erweitern oder alternativ eine zweite SIM-Karte zu verwenden, hat Huawei einen zweiten Karten-Slot verbaut.

Huawei FastCharge für schnelle Energieversorgung

Gut gefällt das integrierte 18W Schnellladesystem, welches den fest verbauten Akku laut eigenen Angaben in 97 Minuten vollständig aufladen soll. Dieser hält das Smartphone mit 3.000 Milliamperestunden für gut eineinhalb Tage am Laufen und bietet so eine passable Ausdauer, die den Nutzer ohne Bedenken durch den Alltag bringt. Um die Zeit zwischen den Ladevorgängen zu verlängern, macht die Hardware von der intelligenten Energiespar-Technologie 5.0 für eine optimierte App-Performance Gebrauch. Wenn sich der Akku dann doch mal seinem Ende nähert, kann auf den Ultra-Stromsparmodus zurückgegriffen werden. Hier sind dann nur noch ausgewählte Apps verfügbar und manche Funktionen, wie beispielsweise die Aufnahme von Screenshots, entfallen ganz.

Was taugt die Huawei P10 Lite Kamera?

Huawei verzichtet bei der Kamera-Ausstattung des P10 Lite leider auf eine Dual-Kamera aus dem Hause Leica. Das Leica-Objektiv bleibt also der Smartphone-Oberklasse vorbehalten. Nichtsdestotrotz macht die Hauptkamera mit ihren 12 Megapixel zu Beginn einen guten Eindruck. Laut Herstellerangaben soll durch die Blende von f/2.0 sowie die 1,25 µm großen Pixel bis zu 20 Prozent mehr Licht eingefangen werden. Für zusätzliche Hilfestellung sorgen ein LED-Blitz, der Autofokus und Phase Dectection - bedauerlicherweise aber ohne optischen Bildstabilisator. Im Praxistest überzeugen die Fotoaufnahmen zunächst. Bei Sonnenlicht sind die Bilder scharf und kontrastreich, auch die Treue zum Detail gefällt selbst beim Heranzoomen. Konträr dazu hinterließen Aufnahmen bei ungünstigen Lichtverhältnissen einen eher schlechten Nachgeschmack. Die Resultate wirken matt und verlieren ein wenig an Qualität.

Hobby-Fotografen könnten sich an der großen Auswahl an Filtern und Modi erfreuen. Zu diesen zählen unter anderem Zeitraffer, Lichtmalerei, Panorama, HDR und sogar ein Profi-Modus zur Aufnahme von RAW-Fotos. Videos nimmt das Smartphone in Full-HD auf.

Mit der Selfie-Kamera können sich Nutzer mit maximal 8 Megapixeln und einer f/2.2-Blende ablichten. Ein Porträt-Modus mit Gesichtserkennung und natürlichem Bokeh-Effekt ist auch mit dabei, ebenso wie der obligatorische Beauty-Modus. Die Aufnahmen werden dezent "aufgehübscht", mit einem Verlust an Schärfe ist allerdings zu rechnen. Dafür lässt sich die Beauty-Option mit nur einem Tippen am oberen Rand der App ausschalten.

Kamera-Menü Huawei P10 Lite
Bereich und Gewichtung Kriterien Testurteil

Bedienung und Display

Gewichtung 40%

  • äußeres Design, Verarbeitung
  • Menüführung, Bedienfreundlichkeit
  • Reaktionsfreudigkeit, Farbdarstellung

84/100

Funktionen und Ausstattung

Gewichtung 40%

  • Leistung Hardware-Komponenten
  • Eigenschaften, Funktionen im Detail
  • Akku: Austauschbarkeit und Leistung

81/100

Kamera

Gewichtung 20%

  • Kameraeinstellungen- und Funktionen
  • Bild- und Videoqualität

76/100

Gesamtwertung

alle

82/100