Huawei P10 Test

Edel-Smartphone aus China mit Leica-Cam im Test

SmartWeb Test vom , 0 92 / 100
Huawei P10

Geht es noch besser? Vom Huawei Mate 9 waren wir im Test regelrecht begeistert. Der kleinere Bruder heißt Huawei P10 und soll ebenfalls durch ein schickes Design und mit einer tollen Kamera punkten. Wir waren gespannt: Wie schlägt sich das stylische China-Smartphone mit Leica-Dual-Cam 2.0 im Praxistest?

Huawei P10
"sehr gut"
92/100
Stand: 19.07.17

Einschätzung

  • Schönes Design, tadellose Verarbeitung
  • starke Leistung
  • nochmals verbesserte Dual-Kamera mit Leica-Objektiv
  • Dual-SIM Unterstützung
  • Gehäuse ohne Wasserschutz

Das Huawei P10 hinterlässt im Test einen guten Eindruck. Punkten kann es mit seinen handlichen Maßen, der tadellosen Verarbeitung und nicht zuletzt mit seiner guten Performance. Abzüge gibt es aber bei der Kamera, die trotz Leica-Technik nicht an die des Mate 9 heranreicht.

Huawei hat in den vergangenen Jahren mit einer ganzen Reihe von Smartphones auf sich aufmerksam gemacht. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Chinesen nur Geräte aus dem Niedrigpreis-Segment präsentierten. Spätestens mit dem Huawei P9 kam der Hersteller auch im Premium-Segment an. Nun liegt der Nachfolger Huawei P10 vor, der sich 2017 mit Konkurrenten wie dem Samsung Galaxy S8 oder dem Sony Xperia XZ Premium messen muss. Doch welche Vorzüge kann das P10 im Wettstreit mit der Konkurrenz in die Waagschale werfen?

Nicht zuletzt muss sich das Huawei P10 auch mit dem Huawei Mate 9 aus dem eigenen Haus vergleichen lassen. Jenes überzeugte im SmartWeb Praxistest durch eine edle Verarbeitung und die hervorragende Kamera (Mate 9 im Test). Viele Eigenschaften hat Huawei auch auf das P10 übertragen. Doch kann es die Erwartungen bestätigen?

SmartWeb Test-Fazit

Huawei setzt beim P10 auf eine einfache Formel: Edles Gehäuse + starke Performance + tolle Leica-Kamera = attraktives Spitzen-Smartphone. In der Tat kann das Huawei P10 in weiten Teilen unseres Tests überzeugen. Optik und Verarbeitung gefallen, die Performance stimmt und auch die Kameras erledigen einen guten Job. Echte Alleinstellungsmerkmale und Zusatz-Features lässt es dann aber doch vermissen, sodass es dem Gerät ein wenig am Wow-Faktor fehlt. Dennoch bleibt das Fazit: Käufer machen mit dem Huawei P10 nichts falsch und erhalten ein schönes, sehr gut ausgestattetes Smartphone.

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Abmessungen Huawei P10 Maße

Edel verarbeitet, kompakt und schön

Die Huawei Smartphones aus China haben in den letzten Jahren einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht und können mit den üblichen Konkurrenten in allen Aspekten mithalten. Gerade was Optik und Verarbeitung betrifft, spielen insbesondere die Top-Geräte ganz oben mit. Das zeigt sich auch beim Huawei P10.

Das Metallgehäuse, die abgerundeten Kanten, die nahtlosen Übergängen zwischen Gehäuserand und Display - alles sieht nicht nur gut aus, sondern fühlt sich auch gut und wertig an. Dazu liegt das P10 noch außerordentlich angenehm in der Hand. Dank des 5,1-Zoll-Displays und der sehr schmalen Seitenränder wirkt es zudem vergleichsweise kompakt und bietet eine gelungene Alternative zu so manchem Riesen-Smartphone.

Hinsichtlich des Designs ändert sich beim P10 im Vergleich zum P9 nicht viel. Huawei arbeitet wieder mit den markanten Kontraststreifen, die am Rand und auf der Rückseite sichtbar sind. Die Rückseite ziert die Dual-Kamera mit ihren zwei Linsen und dem LED-Blitz. Die deutlichste Änderung markiert die Neupositionierung des Fingerabdrucksensors. Dieser ist von hinten nach vorne gewandert.

Jetzt vorn: der (tadellos funktionierende) Fingerabdruckscanner

Wie gewohnt funktioniert der Fingerabdrucksensor tadellos und sogar noch schnell als beim Vorgängermodell. Das P10 lässt sich so mit einer kurzen Berührung komfortabel entsperren. Hier erlaubt sich Huawei mal wieder keine Schwäche. Der Nutzer kann bis zu fünf Fingerabdrücke registrieren, also den Zugriff auf das Gerät auch für mehrere Nutzer freigeben.

Als ein wenig gewöhnungsbedürftig empfinden wir aber die neue Position des Sensors. Mit der Platzierung unterhalb des Displays erinnert das Top-Modell der Chinesen nun ein wenig an die Samsung-Smartphones mit ihrem markanten Home-Button. Allerdings gibt es doch einen entscheidenden Unterschied: Das Feld dient vorrangig als Fingerabdruckscanner, eine Doppel-Funktion als Home-Taste fehlt. Die Android-Bedienelemente findet der Nutzer stattdessen auf dem unteren Rand des Displays. - Hier hat Huawei also etwas Platz verschenkt.

Das Huawei P10 ist kompakt und liegt gut in der Hand
Huawei P10 Fingerabdruck registrieren
Fingerabdruck registrieren

Schönes Display, Android 7, EMUI

Voll überzeugen konnte uns im Test auch das Display des Huawei P10, das Inhalte scharf und farbenfroh darstellt. Zwar löst es "nur" in Full-HD auf, bei einem Screen dieser Größe kommt eine höhere Auflösung aber ohnehin weniger zur Geltung.

Als Betriebssystem läuft auf dem Huawei P10 Android Nougat in der Version 7.0. Wie bei Huawei üblich, wird die Bedienung leicht durch die Oberfläche EMUI angepasst (Version 5.1). Der Nutzer merkt das an den leicht veränderten App-Symbolen, am Design der Menüs und am fehlenden App-Drawer. Alle Apps ordnet das P10 nämlich standardmäßig auf dem Homescreen an, das typische App-Menü fehlt. Aber keine Angst: Wer sich partout den App-Drawer zurückwünscht, kann ihn über die Einstellung "Startbildschimstil" zurückholen.

Huawei P10 Stil des Startbildschirms festlegen
Stil des Startbildschirms festlegen

Der verbaute Octa-Core Prozessor (Kirin 960) sowie der Arbeitsspeicher (4 GB) sorgen für eine makellose Performance. Beim täglichen Umgang mit dem Handy lassen sich Apps schnell öffnen und schließen, auch aufwendige Spiele laufen flüssig und ohne Wackler. Üppig ist es auch um den Speicherplatz bestellt, der bietet schon von Haus aus Raum für 64 GB Daten. Hiervon sind allerdings etwa 11 GB fest vom Betriebssystem belegt. Nutzer, denen die restlichen 53 GB nicht ausreichen, können den Platz aber mittels einer externen Micro-SD Karte um bis zu 2 Terabyte erweitern.

An dieser Stelle noch der Hinweis: Unser Testmodell kam zwar mit 64 GB Speicher daher, im Handel wird aber vielerorts auch eine Version mit 32 GB Speicherplatz angeboten.

Bei den genannten Daten unterscheidet sich das Huawei P10 kaum vom Huawei Mate 9. Auf hohem Niveau geht es auch weiter: Wir finden kaum Grund zur Kritik. Das P10 ist ausgelegt für besonders hohe LTE Geschwindigkeiten. Theoretisch können Nutzer mit bis zu 600 Mbit/s im Internet surfen, wobei derzeit in Deutschland maximal 500 Mbit/s möglich sind. Die drahtlose Datenverbindung im WLAN-Netzwerk kann sowohl über den älteren Standard n als auch über WLAN ac erfolgen. Für das Laden des Akkus sowie für die Datenübertragung per USB-Kabel dient ein moderner USB Typ C Anschluss. Allerdings läuft die Übertragung noch nach dem langsameren Standard 2.0 und nicht nach 3.0 oder 3.1 - ein kleiner Kritikpunkt.

Insgesamt ist die Ausstattung eines Top-Smartphones also durchaus würdig. Echte Besonderheiten lässt das Huawei P10 aber eben doch vermissen. Ein Wasser- und Staubschutz gehört bei vielen Top-Modellen zum Standard, fehlt aber beim P10. Andere Hersteller fahren besonders stoßfeste Gehäuse, ein Modul-System (Moto Z) oder einen digitalen Assistenten auf. Samsung und LG haben ihren Spitzen-Smartphones besonders große, die Vorderseite fast vollständig ausfüllende Displays spendiert. Solche Sonder-Features sucht man beim P10 vergeblich. Positiv ausgedrückt heißt das aber auch: Huawei konzentriert sich auf das Wesentliche und hat ein hochwertiges Smartphone ohne Schnickschnack aufgelegt.

Wie gut ist die Leica-Dual-Kamera?

Wenn das Huawei P10 über ein herausstechendes Feature verfügt, dann ist das selbstverständlich seine Leica Dual-Kamera. Diese ist mit zwei Sensoren ausgestattet, die beim Fotografieren Hand in Hand arbeiten. Der RGB-Sensor nimmt dabei die Farbinformationen auf und löst mit bis zu 12 Megapixeln auf. Der Monochrom-Sensor besitzt eine höhere Auflösung von 20 Megapixel, die vorrangig der Erfassung von Tiefeninformationen dienen. Für das fertige Farbfoto werden schließlich beide Informationen zu einem scharfen Bild verschmolzen. Mit dem Monochrom-Sensor allein lassen sich überdies reine Schwarz-Weiß Fotos aufnehmen.

Viele Nutzer werden sich nun fragen: Wozu das Ganze? Zum einen lassen sich mit der Dual-Kamera schlichtweg gute, scharfe Fotos schießen. Zum anderen erlaubt die Bauweise besonders das Spiel mit Tiefenschärfe und Bokeh-Effekt. Im Kamera-Modus "große Blende" kann der Nutzer die Blendenöffnung zwischen f/0.95 und f/16 variieren und so zum Beispiele auch Fotos mit verschwimmendem Hintergrund schießen. Schön sieht das etwa bei Porträtaufnahmen aus oder in Fotos mit Objekten im Vordergrund. Hierfür wählt man beim Fotografieren eine große Blendenöffnung (also eine kleine Blendenzahl). Wer ein möglichst ausgewogen scharfes Bild möchte, wählt stattdessen eine kleine Blende (große Blendenzahl).

Auch darüber hinaus bietet die Hauptkamera des Huawei P10 jede Menge Einstellungs-Möglichkeiten. Handy-Fotografen, die gern experimentieren, werden mit dem Pro-Modus glücklich, der die manuelle Anpassung jeder Einstellung erlaubt. Hier lassen sich ISO-Wert, Weißabgleich, Belichtungsmessung, Belichtungszeit sowie Belichtungskorrektur frei wählen. Wer es einfach und unkompliziert mag, kann aber auch beim Standardmodus bleiben, der ebenfalls gute Resultate hergibt.

Die Leica-Dual-Kamera hat uns schon während des Huawei Mate 9 Tests ausgesprochen gut gefallen. Auch hier enttäuschte sie nicht. Die Bilder wirken auf den ersten Blick scharf und kontrastreich. Spaß machen die Foto-Versuche mit unterschiedlicher Blendenöffnung. Anders als bei so manch anderer Smartphone-Kamera empfanden wir diese Funktion als intuitiv bedienbar. Und vor allem können sich die Ergebnisse mehr als sehen lassen.

Nur bei genauem Hinsehen und nur im Foto-Vergleich mit dem Samsung Galaxy S8 zeigt die Leica-Kamera dann aber doch Schwächen. Parallel aufgenommene Motive kommen auf dem Galaxy S8 farbenfroher und besser ausgeleuchtet daher. Insbesondere Aufnahmen mit stärkeren Hell-Dunkel-Kontrasten kommen besser zu Geltung. Den direkten Kamera-Vergleich mit dem Top-Smartphone von Samsung verliert das Huawei P10. Dennoch handelt es sich hier um Kritik auf hohem Niveau. Das (deutlich günstigere) P10 macht überwiegend schöne Fotos.

Huawei P10 Testfoto
Aufnahme mit Monochrom-Modus
Huawei P10 Kamera
Leica Dual-Kamera
Huawei P10 Testfoto
Mit großer Blende verschwimmt der Hintergrund
Huawei P10 Testfoto
die gleiche Aufnahme mit kleiner Blendenöffnung
Bereich und Gewichtung Kriterien Testurteil

Bedienung und Display

Gewichtung 40%

  • äußeres Design, Verarbeitung
  • Menüführung, Bedienfreundlichkeit
  • Reaktionsfreudigkeit, Farbdarstellung

94/100

Funktionen und Ausstattung

Gewichtung 40%

  • Leistung Hardware-Komponenten
  • Eigenschaften, Funktionen im Detail
  • Akku: Austauschbarkeit und Leistung

91/100

Kamera

Gewichtung 20%

  • Kameraeinstellungen- und Funktionen
  • Bild- und Videoqualität

89/100

Gesamtwertung

alle

92/100