Q1 2013: Abstand zwischen Telekom und Vodafone wächst

Mobilfunk Report Deutschland Q1 2013

Zähes Kräfteringen auf dem deutschen Mobilfunkmarkt: Im Kampf um die Kunden teilte sich das Feld der Provider im Q1 2013 abermals deutlich in Sieger und Verlierer. Den größten Erfolg konnte hier E-Plus einfahren.

Aktualisiert 05.04.2018
SmartWeb Mobilfunk Report Q1 2013 - Telekom setzt sich weiter ab 4.5 / 5 6 1 Sterne 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne (6)

Nach den Verlusten im Q4 2012 gewann der Anbieter wieder deutlich an Boden und zählte mehr als eine halbe Millionen Neukunden. Weitere Zuwächse brachten die vergangenen 3 Monate zudem auch der Telekom sowie der Telefónica Tochter o2. Klar abgeschlagen folgt wiederum Vodafone. Als einiger Provider musste dieser mit weniger Mobilfunknutzern als zuvor die Bilanzen abschließen, und das zum wiederholten Mal.

Unerfreulich für alle Provider wiederum: Die Gewinnmargen auf dem deutschen Mobilfunkmarkt scheinen seit einiger Zeit immer weiter zu schrumpfen und das trotz der stetig wachsenden Nachfrage im Bereich Smartphones und Datendienste.

Abgesehen vom aktuellen Preiskampf liegt dies auch daran, dass seit gut einem halben Jahr auch die Gesamtzahl der deutschen Mobilfunkkunden schrittweise zurückgegangen ist. Zum 31. Oktober 2012 hatte die Zahl ihren bis dato höchsten Stand von 114,2 Millionen erreicht. Drei Monate später waren es nur noch 113,2 Millionen (-1,045 Mio.) und zum Abschuss des Q1 2013 konnten nunmehr rund 112,7 Millionen (- 471.000) Kunden verbucht werden.

Telekom setzt sich weiter von Konkurrenz ab

Mit rund 32,8% hielt die Telekom auch im Q1 2013 den Löwenanteil der deutschen Mobilfunkkundschaft. Zusätzlich 437.000 Verträge wurden für die Nutzung des D1-Netzes in den vergangenen 3 Monaten abgeschlossen, was die Gesamtzahl auf rund 37 Millionen vergrößerte, so viele wie schon seit fast drei Jahren nicht mehr. Und auch für die Zukunft scheint die Perspektive vielversprechend, hat die Telekom doch ihre Tarifstruktur neu geordnet und wird nun noch stärker auf die Vermarktung ihres derzeit konkurrenzlos leistungsstarken und schnellen LTE-Netzes setzen.

Um die Position des Marktführers wird der Provider aus Bonn aber auch aus anderen Gründen in nächster Zeit kaum zittern müssen, denn der Zweitplatzierte Vodafone kann von Zuwächsen derzeit nur träumen. Seit Beginn seiner Talfahrt vor nunmehr genau einem Jahr (Q1 2012) hat Vodafone im vergangenen Quartal den stärksten Rückgang an Verträgen hinnehmen müssen. Das Minus der letzten drei Monate belief sich insgesamt auf 1,48 Millionen. Allerdings handelt es sich abermals hauptsächlich um Prepaid Verträge (- 1,45 Mio.), die nicht mehr weitergeführt werden. Die Zahl der Kunden mit lukrativeren Laufzeitverträgen konnte Vodafone währenddessen fast stabil halten (- 30.000). Vodafones Anteil an der Gesamtkundenzahl auf dem deutschen Mobilfunkmarkt ging nichtsdestotrotz auf rund 28,8 Prozent zurück.

o2 verliert an Fahrt, E-Plus gelingt Trendwende

Mager fällt im Q1 2013 die Ausbeute an Neukunden für die deutsche Telefónica Tochter o2 aus, die als Provider im E-Netz aktiv ist. Aber auch wenig glanzvolle 25.000 Neuverträge - und somit ein Kundenstand von 19,325 Millionen - sind ein Fortschritt, vor allem in Hinblick auf die sinkende Gesamtkundenzahl in Deutschland.

E-Plus konnte derweil im Q1 2013 vergleichsweise große Sprünge machen. Mit 547.000 Neuverträgen überrundet der E-Netz Provider in diesem Punkt sogar die Telekom, wobei die Gesamtzahl aller Nutzer mit derzeit 23,9 Millionen aber weiterhin um einiges geringer ausfällt als beim "rosa Riesen". Dennoch ein Grund zum Aufatmen, ließ sich doch das Minus an Kunden, das der E-Netz Anbieter im 4. Quartal 2012 eingefahren hatte, fast vollständig ausgleichen. Allerdings könnte es schon im nächsten Quartal wieder eng werden, da die drei anderen Provider immer stärker ihre LTE-Netze als Trumpfkarte ausspielen, während E-Plus die steigende Nachfrage nach schnellem Internet über Funk mangels geeigneter Infrastruktur noch immer nicht flächendeckend und mit vergleichbaren Geschwindigkeiten bedienen kann. Die Konzernführung aber bleibt derweil zuversichtlich, schließlich investiert das Unternehmen weiterhin in den Netzausbau und weist auch schon erste Fortschritte bezüglich Netzabdeckung und -qualität vor.



Minuswachstum als Dauerzustand?

Es erscheint zunächst widersprüchlich: Abermals nahm im vergangenen Quartal der Absatz von Smartphones zu - bei der Telekom etwa waren 73% der verkauften Mobiltelefone der Kategorie Smartphones zuzuordnen. Abermals wuchs der Anteil an wertigen Laufzeitverträgen - sowohl bei der Telekom als auch bei o2 beträgt der Anteil der Kunden mit Festverträgen mehr als 50%. Abermals stieg der Bedarf an Datendiensten, welche inzwischen bei allen Providern beinahe die Hälfte der in Anspruch genommenen Service-Leistungen ausmachen. Und dennoch fiel sowohl bei der Telekom als auch bei Vodafone, o2 und E-Plus das Umsatzwachstum negativ aus. Bezüglich der Ursachen scheinen sich die Anbieter einig zu sein und nennen in erster Linie die Senkung des Terminierungsentgeltes durch die Bundesnetzagentur, räumen aber auch Einflüsse durch den wachsenden Wettbewerbsdruck ein.

Bleiben die nackten Zahlen: Das kleinste Minus von rund 52 Millionen Euro und somit ein Gesamterlös von 1,628 Milliarden Euro war im Q1 2013 der Telekom beschert. Allerdings war der Konzern schon im Q4 2012 durch ein Negativwachstum von - 69 Mio. € im Umsatzvergleich hinter Vodafone gefallen und auch dieses Mal muss sich der Provider mit dem größten Kundenstamm hinter dem D-Netz Konkurrenten einreihen. Dieser kann nämlich trotz der rückläufigen Zahlen (- 63 Mio. €) einen Erlös von 1,647 Milliarden Euro für die letzten drei Monate vorweisen. Ein besseres Licht auf die gesamte Geschäftsbilanz von Vodafone Deutschland wirft dieser eher kleine Erfolg jedoch kaum. Derzeit fährt das Unternehmen nämlich in allen Geschäftsbereichen schlechte Ergebnisse ein.

Allerdings fallen bei den E-Netz Providern die rückläufigen Zahlen stärker ins Gewicht. Diese machen allgemein weniger Umsatz als die Telekom und Vodafone, kämpfen aber mit ähnlich hohen Rückgängen. Mit einem Minus von 60 Millionen Euro schnitt o2 zwar noch besser ab als Vodafone, der Erlös betrug mit insgesamt 733 Millionen Euro aber kaum die Hälfte von dem, was der D-Netz Betreiber auf der Haben-Seite verbuchen konnte. Einzig E-Plus ist hier noch schlechter gestellt. So musste der E-Netz Anbieter nicht nur das größte Minus von rund 68 Millionen Euro hinnehmen, sondern auch seinen Aktionären die niedrigsten Umsatzzahlen - 714 Millionen Euro - vorlegen.

Die aktuelle Situation auf dem Mobilfunkmarkt, mit stetig fallenden Tarifpreisen und immer günstigeren Discount-Angeboten, spricht insgesamt dafür, dass die Umsätze ohne entsprechende Maßnahmen derzeit kaum gesteigert werden können. In Konsequenz lässt sich davon ausgehen, dass die Provider langfristig zu Preiserhöhungen als adäquates Mittel greifen werden, fraglich bleibt in welcher Form. Im Festnetzbereich hat die Telekom mit der Einführung von Datenvolumen jüngst ein Beispiel geliefert, wie dies auf indirekte Weise erfolgen kann. Und auch im Mobilfunksektor, wo die Drosselung der Internetgeschwindigkeit gängige Praxis ist, bietet das Thema Speed-Volumen einen naheliegenden Ansatzpunkt für Methoden der Umsatzsteigerung. Großes Interesse an schnellem Internet via LTE besteht nachweislich, ebenso wie der Wunsch, dieses auch im größeren Umfang nutzen zu können. Die Chance der Provider liegt somit in der mutmaßlichen Bereitschaft des Kunden, für mehr Leistung auch mehr zu zahlen.




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