Q1 2014: Telekom & E-Plus gewinnen über eine halbe Million Mobilfunkkunden

SmartWeb Mobilfunk Report Deutschland Q1 2014

Vor allem die Deutsche Telekom und E-Plus können zum Jahresstart kräftig zulegen und gewinnen jeweils rund 500.000 zusätzliche Mobilfunkkunden. Die Gesamtzahl der Mobilfunkteilnehmer in Deutschland steigt im Q1 2014 so um 953.000 auf 116,2 Millionen.

Aktualisiert 24.06.2019
SmartWeb Mobilfunk Report Q1 2014 - Telekom und E-Plus stauben zum Jahresstart ab 4.67 / 5 6 1 Sterne 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne (6)

Selbst bei Vodafone scheint sich die im letzten Quartal eingeläutete Trendwende zu bestätigen - der Netzbetreiber, der zuvor fast zwei Jahre hinweg teils drastische Kundenabwanderungen verkraften musste, legt nochmals leicht um 52.000 Verträge zu. Einzige große Ausnahme unter den deutschen Erstanbietern ist o2, der im Q1 zum zweiten Mal in Folge einen effektiven Kundenverlust verzeichnete.

Das schlägt sich auch bei den Marktanteilen nieder und o2 liegt mit 16,5 % deutlich hinter dem drittplatzierten E-Plus (21,9 %). Vorne zieht weiterhin die Telekom mit 33,7 % einsam ihre Runden, gefolgt von Vodafone (27,8 %).

Vodafone will mit Netzoffensive zurück an die Spitze

Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/14 konnte Vodafone auch laut eigener Aussage "noch nicht zufrieden" sein. Die Kundenzuwächse in der zweiten Jahreshälfte wertet der Mobilfunkanbieter aber als zarten Beginn einer Trendwende. Erfolge konnte Vodafone vor allem bei der Vermarktung seine "Red" Postpaid-Verträge verzeichnen und auch das bisher vernachlässigte Einsteigersegment, speziell über die Zweitmarke Otelo, hat angezogen.

Unterm Strich lagen Vodafones Mobilfunk-Serviceumsätze im ersten Jahresquartal aber immer noch um 5,6 % unter dem Vorjahreswert. Dies liegt nicht allein an den starken Kundenverlusten aus den ersten beiden Quartalen des Geschäftsjahrs, durch die zunehmende Umstellung auf Flatrate-Tarife sind gleichzeitig die Umsätze aus "out-of-bundle" Komponenten wie Gesprächsminuten und Aufbuch-Volumina zurückgegangen.

Gerade in Hinsicht auf die Netz- und Servicequalität attestiert sich Vodafone noch erkennbare Defizite und will diese Probleme aggressiv angehen. Im Rahmen der konzernweiten Initiative "Project Spring" hat Vodafone Deutschland dazu ein 4 Mrd. Euro schweres Ausbauprogramm aufgelegt, "die größte Netz-Offensive seiner Geschichte".

Insbesondere der LTE Mobilfunk der 4. Generation soll dabei in hohem Tempo vorangetrieben werden. Zum Ende des Q1 2014 erreichte Vodafone in Deutschland eine Bevölkerungsabdeckung von rund 70 Prozent, zum Abschluss des Ausbauprogramms in 2016 soll diese über 90 Prozent betragen. Die Zielsetzung der Vodafone Gruppe ist klar und ambitioniert - innerhalb von 5 Jahren will Vodafone in ganz Europa zum besten Mobilfunkanbieter in Sachen Netzabdeckung und -qualität werden.



Endgeräteverkauf als Umsatztreiber der Telekom

Das Q1 2014 hat der Deutschen Telekom nochmals ein kräftiges Plus von 520.000 Mobilfunkkunden beschert. Davon verfielen 204.000 auf die Eigenmarken Telekom und Congstar selbst, wobei sich gerade die Zweitmarke Congstar "besonders positiv" entwickelt haben soll. Der Mobilfunkumsatz der Telekom ist im Vergleich zum Vorjahresquartal um 1,6 Prozent gestiegen - und das, obwohl der Serviceumsatz mit einem schmalen Plus von nur 0,2 Prozent etwa auf dem gleichen Niveau verblieben ist.

Befeuert wurde der Mobilfunkumsatz der Telekom im Q1 2014 insbesondere durch das Hardware-Geschäft. Allein zwischen Januar und Ende März konnte die Telekom insgesamt 1,4 Millionen Endgeräte verkaufen, ein Großteil davon im Premium-Segment. Der Geräteumsatz lag so nochmals 12,1 Prozent über dem aus dem Q1 2013.

Nicht überraschend, dass der LTE Ausbau auch bei der Telekom aktuell höchste Priorität genießt. Seit Beginn 2013 ist die LTE Abdeckung im Telekom Netz von 50 auf 74 Prozent angestiegen. Für 2016 hat der Marktführer ein Ausbauziel von 85 Prozent ausgegeben und bewegt sich damit im gleichen Rahmen wie der Konkurrent Vodafone. Den will die Telekom weiter auf Abstand halten - als übergeordnetes Ziel für die nächsten Jahre hat sich die Telekom auf die Fahnen geschrieben, ihre derzeitige Position als Nummer Eins auf dem deutschen Mobilfunkmarkt dauerhaft zu zementieren.



Service- und Hardwareumsatz bei o2 unter Druck

Zwar konnte o2 im Q1 78.000 Postpaid-Verträge hinzugewinnen, der starke Schwund bei den Prepaid-Kunden sorgte unterm Strich aber für ein Minus von 126.000 Mobilfunkkunden. Der Mobilfunk-Serviceumsatz ging gegenüber dem Vorjahresquartal um 3,6 % auf 707 Mio. € zurück. Einer der Hauptgründe hierfür ist laut o2 der Einbruch bei der SMS-Nutzung. Hier macht sich die Konkurrenz durch Instant Messaging-Dienste deutlich bemerkbar, insgesamt ist der SMS-Umsatz um ganze 24 % gefallen. Trotz des weiter boomenden mobilen Internet lag der Datenumsatz inklusive SMS letztlich um 1,3 % unter dem Vorjahreswert.

Ein weiterer Effekt, der die Serviceumsätze von o2 belastete, ist der Bestandskundenwechsel auf Angebote aus dem aktuellen Tarifportfolio. Diese wiederum beinhalten zum größten Teil All-Net Flatrates, wodurch zusätzlich angerechnete Gesprächsminuten und Datentransfers mehr und mehr entfallen. Gleichzeitig zu den zurückgehenden Serviceumsätzen ist zudem der Umsatz aus Hardware-Verkäufen um ganze 33 % auf 120 Mio. € eingebrochen. Hier machten sich einerseits Aktionsangebote mit subventionierten Smartphones bemerkbar, andererseits aber auch schlicht geringere Absatzzahlen.

Auch o2 hat eine klare Vorstellung von seiner Stellung im Markt. Das Unternehmen verfolgt eine "datenzentrische Strategie" und möchte sich auf absehbare Zeit als der LTE Anbieter mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis positionieren. Gerade bei der LTE Abdeckung muss o2 dazu aber wohl noch nacharbeiten: Obwohl o2 zuletzt den Großteil seiner Ausgaben in den Netzausbau gesteckt hat, lag die o2 LTE Verfügbarkeit Ende April noch bei etwa 50 %.

Übernahmekandidat E-Plus setzt Zeichen

Der echte Gewinner im Q1 2014 war letztendlich wohl E-Plus - der Anbieter kam sowohl bei der Kundenzahl als auch beim Umsatz und Ergebnis auf ein deutliches Plus. Erstmals seit anderthalb Jahren verzeichnete E-Plus dabei einen Anstieg beim Serviceumsatz, der um 2,4 Prozent auf 731 Mio. Euro geklettert ist.

Als Erfolgsfaktoren sieht E-Plus seine konsequent auf Digitalisierung ausgerichtete Strategie - was auch den Ausbau von digitalen Vertriebskanälen umfasst - und seine Innovationskraft. Als Beispiele aus den letzten Monaten führt das Unternehmen u.a. die Zusammenarbeit mit WhatsApp, die kostenlosen LTE Aufschaltung für alle Kunden und die frühzeitige Abschaffung europaweiter Roaming-Gebühren an. Die genaue Zukunft von E-Plus ist derzeit noch ungewiss - in einigen Wochen soll die EU-Kommission über die Übernahme von E-Plus durch o2 entscheiden. Aktuell arbeiten o2 und E-Plus daran, Netzkapazitäten an Drittanbieter abzugeben, um härteren Auflagen durch die Wettbewerbshüter zuvorzukommen - die Verhandlungen sollen sich allerdings schwierig gestalten.

Marktgeschehen im Q1 2014 in Stichpunkten

  • Höchster Kundenzuwachs bei Telekom, dicht gefolgt von E-Plus
  • Zahl der Vodafone Mobilfunkkunden legt im 2. Quartal in Folge wieder zu
  • E-Plus kann Serviceumsatz zum ersten Mal seit 6 Quartalen steigern
  • Endgeräteverkauf bei Telekom Wachstumstreiber, bei o2 brechen Hardware-Umsätze dagegen ein



DSLWEB Archiv: Der deutsche Mobilfunkmarkt im Rückblick

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