Q1 2015: Highend-Netze für Highend-Hardware - Wer gewinnt das Rennen um das beste Netz?

SmartWeb Mobilfunk Report Deutschland Q1 2015

Nach den Umwälzungen der letzten Monate war das Q1 2015 eher ein Quartal der Entspannung. Stabilität, Kontinuität und Erholung - so ließe sich die Entwicklung der drei Netzbetreiber o2, Telekom und Vodafone schlagwortartig zusammenfassen. Gleichzeitig müssen die Provider durch den zügigen Netzausbau die Weichen für die Zukunft stellen.

Aktualisiert 05.04.2018
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Unterm Strich ist die Zahl der aktiven Mobilfunkkundenverträge in Deutschland im Q1 2015 nochmals um 307.000 auf 112,3 Mio. abgesunken. Die bisherige Höchstmarke aus dem Q1 2013 ist damit bereits um rund 5 Mio. unterschritten. Der Anteil der für die Netzbetreiber besonders wertvollen Postpaid-Verträge aber hat erneut zugenommen. Ihre Zahl ist im Zeitraum von Januar bis Ende März 2015 um 811.000 auf 57,7 Mio. angestiegen.

Nachdem die Gesamtkundenzahl im Zuge der Fusion von E-Plus und o2 zum Jahresende gehörig nach unten korrigiert werden musste, ist diesmal in erster Linie Vodafone für das effektive Minus verantwortlich. Die Deutsche Telekom wiederum verzeichnete zum Jahresauftakt erneut ein leichtes Plus, während o2 seine Mobilfunkkundenzahl stabil hält.

o2 und Telekom jeweils mit leichtem Kundenplus

Mit dem Abschluss der Übernahme von E-Plus im Q4 2014 ist o2 zum kundenstärksten deutschen Mobilfunknetzbetreiber aufgestiegen. Derlei neu aufgestellt, ist o2 nach eigener Einschätzung im neuen Jahr "gut aus den Startblöcken gekommen". Unterm Strich blieb die Gesamtzahl der o2 Mobilfunkverträge dabei nahezu stabil: Während o2 um 141.000 Postpaid-Verträge zugelegt hat, ging die Zahl der Prepaid-Kundenverträge im o2 Netz, laut o2 vor allem saisonbedingt, um 87.000 zurück. Insgesamt kam o2 damit auf ein effektives Plus von 54.000 Mobilfunkverträgen und konnte deren Gesamtzahl so stabil bei rund 42,2 Millionen halten.

Das allerdings entspricht der aktuellen Strategie des Unternehmens, das sich derzeit nach eigener Aussage bewusst auf die Monetarisierung der bestehenden Kunden fokussiert und seine Marketingaufwendungen für die klassische Werbung und Neukundenakquise deutlich reduziert hat - mit einem positiven Effekt auf das operative Ergebnis.

Etwas dynamischer hat sich das Neukundengeschäft der Deutschen Telekom entwickelt: Die vormalige Nummer Eins auf dem deutschen Mobilfunkmarkt hat zwischen Januar und Ende März 2015 um 221.000 auf 39,2 Millionen Mobilfunkverträge zugelegt. Die leichten Verluste im Prepaid-Bereich konnte der Netzbetreiber dabei locker durch die insgesamt 289.000 hinzugewonnenen Postpaid-Kundenverträge ausgleichen.


Marktgeschehen im Q1 2015 in Stichpunkten

  • o2 schließt Verkauf von Yourfone an die Drillisch AG ab
  • o2 legt neue Tarife auf, schaltet LTE für Bestandskunden frei
  • Vodafone Deutschland-Chef verkündet seinen Rücktritt

Vodafone: Langsame Erholung trotz starker Kundenverluste

Vodafone musste im Q1 2015 den schwersten Kundenverlust seit zwei Jahren verkraften - in den ersten drei Monaten des Jahres rutschte die Zahl der Mobilfunkverträge im Vodafone Netz um ganze 572.000 auf 30,94 Millionen ab. Dennoch sieht sich Vodafone auf dem richtigen Weg. Nicht ohne Grund: Den weiter wegbrechenden Prepaid-Verträgen stand im Q1 2015 nämlich ein mehr als ordentliches Plus bei den Postpaid-Kundenverträgen gegenüber. Deren Zahl kletterte um 381.000 auf die neue Bestmarke von 16,24 Millionen.

Dieser positive Aspekt hat sich auch auf die Umsatzentwicklung niedergeschlagen. Zwar ergab sich für das abgelaufene Geschäftsjahr 2014/15 immer noch ein Minus von 3,5 Prozent bei den Mobilfunk-Serviceumsätzen, im Jahr zuvor waren diese jedoch noch um 6,2 Prozent rückläufig. "Insgesamt", fasst so auch der Vodafone Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum zusammen, "blicken wir zurück auf ein Jahr der Erholung".

"Im letzten Jahr haben wir für unsere Kunden massiv investiert", heißt es an anderer Stelle, "in diesem Jahr wollen wir unsere Kunden nachhaltig begeistern." Schulte-Bockum wird diese Offensive jedoch nicht mehr begleiten, denn die Veröffentlichung der Geschäftszahlen zum Q1 2015 nahm der CEO zum Anlass, seinen Rücktritt zu verkünden. Als Grund für den überraschenden Rückzug wird ein anhaltender Konflikt über die strategische Ausrichtung des Unternehmens gehandelt - während Schulte-Bockum auf nachhaltige Verbesserungen setzte, soll die Londoner Konzernspitze auf schnellere Kundenzuwächse durch eine aggressivere Preispolitik gedrängt haben.



LTE Netzausbau wird über Gewinner und Verlierer entscheiden

Ob Vodafone tatsächlich härter in den Preiskampf einsteigen sollte, sei dahingestellt. In einer Hinsicht jedoch war der Fokus auf eine nachhaltige Entwicklung aber auf jeden Fall angebracht: Im Rahmen einer insgesamt 4 Mrd. Euro schweren Netzausbau-Kampagne hat Vodafone in den vergangenen Monaten viel dafür getan, bestehende Versäumnisse wettzumachen (siehe auch SmartWeb Mobilfunk Report Q4 2014).

Besonders hohe Priorität genießt bei den derzeitigen Ausbau-Bemühungen natürlich die weitere Ausbreitung des modernen LTE Mobilfunkstandards. Zum Ende des Q1 2015 brachte es Vodafone hier auf eine Bevölkerungsabdeckung von 77 Prozent. Damit liegt Vodafone nur knapp hinter der Deutschen Telekom, die eine LTE Verfügbarkeit von 82 Prozent aufweist. Ausgerechnet der kundenstärkste deutsche Netzbetreiber, Telefónica, hinkt der Konkurrenz hier noch deutlich hinterher. Selbst das LTE Ausbauziel für Ende 2015 ist mit einer Bevölkerungsabdeckung von 75 Prozent auffallend niedrig angesetzt - die Wettbewerber dürften ihren Vorsprung bis dahin noch sichtlich ausgebaut haben.

Seit geraumer Zeit profitieren die Service-Umsätze der Mobilfunker vor allem von der steigenden mobilen Datennutzung, die durch die wachsende Anzahl an LTE Kunden aktuell natürlich stark befördert wird. Um diese Entwicklung zu beschleunigen, hat beispielsweise o2 im Februar sein LTE Netz für sämtliche Vertragskunden geöffnet. Innerhalb des Q1 2015 ist die Zahl der o2 LTE Kunden - also solcher, die sowohl über einen LTE-fähigen Mobilfunktarif als auch über ein passendes Endgerät verfügen - dadurch um rund 2,1 Millionen auf knapp 5,2 Millionen geschnellt. Vodafone bewegt sich mit rund 5 Millionen LTE Kundenanschlüssen auf einem ähnlichen Niveau und die Telekom vereint mit über 6,4 Millionen die meisten LTE Kunden in ihrem Netz.


Netzbetreiber LTE Kunden LTE Abdeckung

o2

5,15 Mio.

< 75%

Telekom

6,42 Mio.

82%

Vodafone

5,0 Mio.

77%

Highspeed-Netz für Highend-Smartphones

Die Deutsche Telekom führt den rapiden Zuwachs an LTE Kunden - im Q1 2015 konnte sie rund 870.000 gewinnen - im wesentlichen auf zwei Faktoren zurück: Ihre neuen MagentaMobil Tarife - und den Launch des iPhone 6.

Hier zeigt sich, wie sehr sich der Absatz von leistungsstarken Smartphones und von immer höherwertigen Mobilfunktarifen gegenseitig befeuern. Neben den mobilen Datendiensten sind die Endgeräteverkäufe dabei der zweite große Umsatztreiber für die Mobilfunkanbieter. Das starke Umsatzplus von 10,2 Prozent in ihrem Mobilfunk-Segment sei laut Telekom sogar in erster Linie dem hohen Kundeninteresse nach Smartphones geschuldet. Nachgefragt seien hier vor allem "hochpreisige Endgeräte".

Der Konkurrent o2 schlägt in die gleiche Kerbe und liefert dabei noch detaillierte Angaben: Im Vergleich zum Vorquartal ist die Zahl der an die o2 Postpaid-Kunden verkauften Smartphones im Q1 2015 demnach nochmals um 9 Prozent angestiegen. Der Anteil der "high value devices", also der Smartphones aus dem oberen Preissegment, an den verkauften Geräten belief sich dabei auf beachtliche 76 Prozent. LTE-fähige Endgeräte im Allgemeinen machten laut der Unternehmenspräsentation sogar bereits volle 86 Prozent der Verkäufe aus. Dank der anhaltend hohen Nachfrage und seinem "neuen wertorientierten Ansatz" konnte o2 den Endgeräteumsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 28,8 Prozent auf 282 Mio. Euro steigern.

Die deutschen Mobilfunknutzer sind also immer besser ausgestattet, sowohl in Bezug auf ihre Datentarife als auch auf die genutzte Hardware. Das zeigt zwar einerseits, dass die Kundschaft bereit ist, in leistungsstarke Technik und Services zu investieren, andererseits steigen damit unweigerlich die Ansprüche an die Netzqualität und insbesondere die LTE Verfügbarkeit. Und wer diese nicht oder nur unzureichend bedienen kann, der könnte auf dem hart umkämpften Mobilfunkmarkt schnell ins Hintertreffen geraten.


Weiterführende Informationen zu den einzelnen Anbietern

Als Ergänzung zum vierteljährlich erscheinenden Mobilfunk Report bereitet SmartWeb die Geschehnisse auf dem deutschen Markt in Newsberichten auf und stellt zusätzliche Info-Grafiken zu den einzelnen Netzbetreibern bereit. Der Stand zum 1. Quartal 2015:




DSLWEB Archiv: Der deutsche Mobilfunkmarkt im Rückblick

Die Quartalsberichte, die SmartWeb regelmäßig veröffentlicht, bilden immer nur den aktuellen Stand der Verhältnisse auf dem deutschen Mobilfunkmarkt ab. Um Trends zu verfolgen und Rückschlüsse auf die Marktentwicklung ziehen zu können, bedarf es den Blick auf längerfristige Zeiträume.

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Zur Gesamtübersicht: SmartWeb Mobilfunk Report Deutschland

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