Q2 2013: Vodafone verliert weiter an Boden

Mobilfunk Report Deutschland Q2 2013

Das 2. Quartal 2013 brachte ordentlich Auftrieb für den deutschen Mobilfunkmarkt. Sowohl bezüglich der Kundenzahl, die um 884.000 auf rund 113,5 Millionen stieg, als auch in Umsatzfragen standen die Zeichen auf Wachstum - allerdings nicht für alle der vier großen Netzanbieter.

Aktualisiert 05.04.2018
SmartWeb Mobilfunk Report Q2 2013 - Mehr Kunden und Umsatz, nur Vodafone im Minus 4.4 / 5 5 1 Sterne 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne (5)

Während die Telekom, o2 und E-Plus vom oben angesprochenen Trend profitieren und mit ihren Abschlussbilanzen soweit zufrieden sein können, gerät der D2-Netz Provider Vodafone immer weiter ins Abseits. Weniger Kunden, weniger Gewinn - und dass während eines allgemeinen Hochs. Es sieht ganz danach aus, als würde der Konzern mit seiner aktuellen Strategie auf keinen grünen Zweig mehr kommen können und neue Wachstumsimpulse benötigen.

Derweil setzen sich viele Entwicklungen aus den vorangegangenen Quartalen kontinuierlich fort: Der Datenabsatz wuchs ungebremst und auch die Smartphone-Nachfrage bleibt ungebrochen. Für letzteres ist zudem in Kürze eine weitere Steigerung zu erwarten, steht doch im frühen Herbst der Launch des neuen iPhone Modells der Firma Apple ins Haus.

D-Netz der Telekom bleibt Favorit

Die Telekom hält im Q2 2013 an ihrer Erfolgsserie fest. Mit insgesamt 37,49 Millionen Nutzern im D1-Netz (+ 487.000) hält sie weiterhin den größten Marktanteil in Deutschland. Dieser steigerte sich sogar noch einmal um 0,2 Prozent auf nunmehr 33 Prozent. Es fragt sich trotz allem, wie lange die Telekom ihren Platz an der Sonne noch genießen können wird. Zwar dürfte sich die natürliche Kundenbewegung in naher Zukunft kaum ändern und auch Erzkonkurrent Vodafone wird mittelfristig nicht an die Bestmarke des Bonner Konzerns heranreichen können. Allerdings steht der deutsche Mobilfunkmarkt aktuell vor einen bedeutenden Umbruch. Der Grund: Im Juli kündigte Telefónica o2 Germany an, den Wettbewerber E-Plus übernehmen zu wollen. Durch die Fusion der beiden E-Netze sowie die Zusammenlegung beider Kundenstämme würde die Telekom zwangsläufig von ihrer Spitzenposition verdrängt werden.

E-Plus zählte als stärkster E-Netz Provider im Q2 2013 rund 24,4 Millionen Kunden. Dies entspricht einem Wachstum von gut 500.000 Verträgen und einem Marktanteil von 21,5 Prozent (+ 0,3 %). o2, allgemeines Schlusslicht in puncto Kundenzahlen, konnte 86.000 Neukunden für sein E2-Netz gewinnen und hält mit 19,4 Millionen Kundenverträgen aktuell weiterhin 17,1 Prozent Marktanteil. Momentan würden durch eine Zusammenlegung der Konzerne somit fast 40% der deutschen Mobilfunkkunden dem vereinheitlichten E-Netz zufallen. Allerdings ist die Übernahme von E-Plus durch o2 bisher noch nicht in trockenen Tüchern. In den letzten Wochen haben sich immer mehr Hindernisse aufgetan: So steht noch eine Prüfung durch die Kartellwächter an und die Bundesnetzagentur droht mit dem Entzug von Frequenzblöcken. Zudem könnte ein kürzlich gestelltes Übernahmeangebot von América Móvil für die E-Plus Muttergesellschaft KPN die Fusion doch noch kippen.

Doppelte Misere bei Vodafone

Ein Scheitern dürfte derweil nicht nur im Sinne der Telekom liegen. Vodafone, die aktuelle Nummer 2 auf dem Markt, würde durch den Zusammenschluss der E-Netz Provider auf den letzten Platz im Kundenranking rutschen. Dabei hat der Konzern auch ohne Fremdeinfluss derzeit mit genug Problemen zu kämpfen. Das nunmehr sechste Quartal in Folge verliert der Provider an Kunden, wenn auch etwas weniger als in den Monaten zuvor. Dennoch, mit einem Minus von 168.000 Verträgen und einem neuen Ist-Wert von 32,24 Millionen verringert sich der Marktanteil von Vodafone um weitere 0,4 Prozent auf 28,4 Prozent. Auffallend zudem: Während die Telekom, E-Plus und o2 die Zahl der Kunden mit wertigem Laufzeitvertrag leicht steigern oder zumindest stabil halten konnten, musste Vodafone zum 30. Juni auch hier ein Minuswachstum resümieren. Bisher hat der D-Netz Anbieter noch kein adäquates Mittel gefunden, um das Ruder herum zu reißen. Aktuell versucht Vodafone mit der Erhöhung der Surfgeschwindigkeit im LTE-Netz auf bis zu 150 Mbit/s beim Nutzer zu punkten. Allerdings ist der Highspeed bisher nur in vier deutschen Großstädten verfügbar. Weitere Ideen für Maßnahmen zur Kundenakquise bleiben wohl notwendig.



Umsatztief scheint überwunden

Nach zwei Quartalen scheint die Flaute endlich ein Ende zu haben: Sowohl die Telekom, als auch E-Plus und o2 melden im Q2 2013 nun wieder steigende Umsätze. Obwohl sie mit einem Plus von "nur" 45 Millionen Euro das geringste Wachstum unter den Providern erzielen konnte, profitiert die Telekom dennoch am meisten vom Einnahme-Hoch. Immerhin sichert sie sich mit einem Gesamtumsatz von 1,673 Milliarden Euro für Mobilfunk-Dienste im Q2 nun auch wieder die Marktführerschaft in puncto Einnahmen. Zuvor hatte, trotz rückläufiger Umsätze, Vodafone diese Position inne gehabt. Der D-Netz Konkurrent kann allerdings im Q2 wieder einmal nur auf finanzielles Minuswachstum zurückblicken. Wenn auch kaum 7 Millionen Euro weniger als im Q1, reicht der aktuelle Umsatz von 1,64 Milliarden nur noch für den zweiten Rang.

Besonders zusetzen dürfte Vodafone zudem, dass auch bei E-Plus und o2 in den letzten drei Monaten die Kassen ordentlich klingelten. Dabei konnte o2 den kundenstärkeren E-Netz Konkurrenten sogar noch überbieten. 51 Millionen Euro mehr und insgesamt 784 Millionen Euro verbuchte o2 im Q2 2013. E-Plus kann jedoch immer noch ein Plus von 50 Millionen Euro und somit einen Gesamtumsatz von 764 Millionen Euro verbuchen.

Es sieht danach aus, als würde sich die beinahe exponentiell steigende Nutzung von Datendiensten nun endlich im operativen Geschäft niederschlagen. Und auch die rückläufigen Einnahmen bei klassischen Sprachdienstleistungen scheinen schließlich ausgeglichen werden zu können. Außerdem spielt der zunehmende Absatz von Smartphones eine entscheidende Rolle. Die Telekom etwa meldet, dass in den letzten 3 Monaten rund 70 Prozent aller neuverkauften Mobiltelefone der Kategorie Smartphone angehörten. o2 wiederum benennt inzwischen 64 Prozent aller Bestandskunden als Smartphonenutzer. Abermals signifikant: Wettbewerber Vodafone beziffert den Anteil der Smartphonenutzer innerhalb seines Kundenstammes auf gerade einmal 38 Prozent. Das lässt sich mitunter auch auf die vergleichsweise hohen Preise zurückführen, die Vodafone für die beliebten Geräte veranschlagt.




DSLWEB Archiv: Der deutsche Mobilfunkmarkt im Rückblick

Die Quartalsberichte, die SmartWeb regelmäßig veröffentlicht, bilden immer nur den aktuellen Stand der Verhältnisse auf dem deutschen Mobilfunkmarkt ab. Um Trends zu verfolgen und Rückschlüsse auf die Marktentwicklung ziehen zu können, bedarf es den Blick auf längerfristige Zeiträume.

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