Q2 2014: Serviceumsätze der deutschen Mobilfunkanbieter weiter unter Druck

SmartWeb Mobilfunk Report Deutschland Q2 2014

Im Q2 2014 konnten die deutschen Mobilfunkanbieter insgesamt 379.000 zusätzliche Kundenverträge gewinnen. Damit haben sich die Kundenzugewinne im Vergleich zu den vier Quartalen zuvor zwar deutlich abgeschwächt, dennoch hat die deutsche Mobilfunkbranche eine starke Wachstumsphase hinter sich.

Aktualisiert 24.08.2016
SmartWeb Mobilfunk Report Q2 2014 - Mobilfunk-Serviceumsätze weiter unter Druck 1 Sterne 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne (3)

So ist die Zahl der Mobilfunkteilnehmer in Deutschland seit dem Q2 2013 um knapp 3 Mio. gestiegen, zum 30. Juni 2014 belief sie sich auf 116,6 Millionen. Gleichzeitig haben die - für die Serviceprovider besonders lukrativen - Postpaid-Kundenverträge weiter an Gewicht auf dem Markt gewonnen. Inzwischen machen sie mit 49,1 Prozent schon fast die Hälfte aller Mobilfunkverträge in Deutschland aus.

Trotzdem verzeichnen die großen Netzbetreiber aktuell durch die Bank stagnierende oder sogar rückläufige Serviceumsätze - weder die Kundenzugewinne, die Verlagerung ins Postpaid-Segment, noch die steigenden Datenumsätze können die sinkende Sprachtelefonie und die wegbrechenden SMS-Erlöse vollständig kompensieren.

SmartWeb Mobilfunk Report Q2 2014

Telekom und E-Plus erneut mit größten Kundengewinnen

Die Spitzenposition auf dem deutschen Mobilfunkmarkt hält nach wie vor die Deutsche Telekom inne - sowohl in Hinsicht auf die Teilnehmerzahl als auch auf die Serviceumsätze. Die Gesamtzahl der Telekom Mobilfunkkunden kletterte im Q2 2014 um weitere 192.000 auf rund 39,3 Millionen. Speziell im Bereich der Postpaid-Verträge hat sie im gleichen Zeitraum sogar um 275.000 auf 22,4 Millionen zugelegt. Seinen Mobilfunk-Serviceumsatz konnte der Netzbetreiber im Q2 2014 mit 1,67 Mrd. Euro auf dem Niveau des Vorjahresquartals halten.

Den kräftigsten Vertragszuwachs konnte allerdings abermals E-Plus verzeichnen, der es im Q2 2014 auf 392.000 Netto-Neukunden brachte - davon 303.000 Prepaid-Kunden und 89.000 Postpaid-Verträge. Insgesamt zählte E-Plus zum Quartalsende 25,8 Mio. Mobilfunkverträge - mehr als genug, um der Telekom nach der am 02. Juli 2014 durch die EU-Kommission unter Auflagen genehmigten Fusion mit o2 die Marktführerschaft abzunehmen.

Die extreme Dynamik von E-Plus lässt o2 zwar vermissen, nach zwei Quartalen mit einem effektiven Kundenrückgang, konnte der Mobilfunker nun jedoch wieder 161.000 zusätzliche Verträge hinzugewinnen. Mit 19,4 Millionen erreichte die Zahl der o2 Mobilfunkverträge im Q2 2014 damit wieder den Stand aus dem Q2 des Vorjahres.

Die Rolle des "kranken alten Mannes" auf dem deutschen Mobilfunkmarkt fällt seit einiger Zeit Vodafone zu. Dessen mühsamer Weg zur Genesung verläuft nicht ohne Rückschläge: Nach einer leichten Erholungen in den beiden Quartalen zuvor hat Vodafone im Zeitraum von April bis Ende Juni nun wieder 366.000 Mobilfunkverträge eingebüßt und schloss das Quartal mit 31,9 Mio. Teilnehmern in seinem D2-Netz ab. Selbst im zugkräftigen Postpaid-Segment hat Vodafone im Q2 2014 ein Minus von 10.000 Verträgen eingefahren.


Kundenzahlen Mobilfunk Anbieter Deutschland Q2 2014

Nebensaison: Smartphone-Geschäft unterliegt Schwankungen

Zwei Faktoren haben das Mobilfunkgeschäft und speziell die zunehmende Verlagerung ins Postpaid-Segment beflügelt: Die wachsende Verbreitung von Smartphones und der Aufstieg des mobilen Internets - wobei beide letztlich untrennbar miteinander verbunden sind. Die gewachsenen Ansprüche der Kundschaft sind für die Anbieter einerseits eine Goldgrube, andererseits aber auch mit Schwierigkeiten verbunden.

Das zeigt sich inzwischen auch im Endgeräte-Geschäft, das zwar immer noch umsatzstark ist, aber auch deutlichen Schwankungen unterliegt. So sind die Erlöse im Q2 sowohl bei der Telekom (-2,8%) als auch bei o2 (-6,9%) gegenüber dem Vorjahr spürbar zurückgegangen.

Ob die geringeren Absatzmengen auf ein generelles Abflauen des Smartphone-Booms der letzten Jahre hindeutet, ist dabei allerdings fraglich - auch wenn die Smartphone-Quote gerade unter den Vertragskunden bereits sehr hoch ist (Telekom: 67%; o2: 72%). Schließlich ist der Endgeräteverkauf sehr stark abhängig von den aktuell neu veröffentlichten Modellen. Hier dürfte es unter anderem interessant werden, welche Zugkraft das für den September erwartete iPhone 6 - das nächste potentielle "Must Have" auf dem Markt - haben wird.

Letztlich schlägt sich aber auch hier schlicht der unverändert harte Preiskampf zwischen den Mobilfunkanbietern nieder. Denn häufig werden gerade Highend-Smartphones als Herzstück von Marketingkampagnen zu teils extrem stark subventionierten Preisen abgegeben.


Marktanteile Mobilfunkanbieter Deutschland Q2 2014

Wettrüsten für die neuen Highspeed-Mobilfunkangebote

Eine weitere Kennzahl zu den Smartphone-Absätzen von o2 leitet direkt zum nächsten großen Zugpferd auf dem Mobilfunkmarkt über: Ganze 86 Prozent aller von o2 im Q2 2014 verkauften Smartphones waren bereits LTE-fähig. Die Zahl der Kunden, die dazu über einen passenden LTE Tarif verfügen, steigt ebenfalls schnell. Die Telekom beispielsweise zählte zum 30. Juni knapp 4,3 Millionen solcher LTE Kunden, Vodafone immerhin 1,5 Millionen.

Damit den Kunden die gewünschte schnelle LTE Verbindung auch möglichst flächendeckend zur Verfügung steht, sind gut aufgerüstete Mobilfunknetze nötig. Deshalb stecken die Betreiber derzeit auch viel Energie und Geld in den Ausbau ihrer Infrastruktur.

Denn hier ins Hintertreffen zu geraten, rächt sich schnell. So musste beispielweise Vodafone zuletzt eingestehen, in Sachen Netzqualität und Kundenservice den Anschluss an den Marktführer Telekom verloren zu haben. Seitdem arbeitet das Unternehmen hart daran, diese Defizite wieder auszugleichen. Im Rahmen eines 4 Mrd. Euro schweren Ausbauprogramms hat Vodafone so allein im Q2 2014 rund 480 neue LTE Basis-Stationen eingerichtet und 1.500 bestehende 2G- und 3G-Stationen modernisiert.

Netzbetreiber Mobilfunk-ARPU monatlich Veränderung zum Q2 2013 Postpaid (inkl. Veränderung) Prepaid (inkl. Veränderung)

Telekom

14 €

- 6,7%

23 €

(- 8%)

3 €

(+/- 0%)

Vodafone

15,05 €

- 4,2%

27,70 €

(- 3,1%)

3,30 €

(- 13,2%)

o2

12,50 €

- 2,1%

18,80 €

(- 4,4%)

5,20 €

(+ 2,6%)

E-Plus

10 €

- 9,1%

19 €

(- 5%)

5 €

(- 17%)

Übersicht: Durchschnittlicher monatlicher Umsatz pro Kunde

Gemessen an der Bevölkerung erreicht die Telekom mit 77 Prozent nach wie vor die höchste LTE Netzabdeckung, allerdings dicht gefolgt von Vodafone mit einer Abdeckung von 70 Prozent. Die beiden anderen Netzbetreiber hinken hier noch hinterher: Während es o2 auf eine LTE Verfügbarkeit von immerhin 50 Prozent bringt, hat E-Plus erst im März 2014 mit der Aufschaltung von LTE begonnen. Aber auch E-Plus will vom Start weg mit dem Highspeed-Standard punkten und schaltet LTE bis zum Jahresende kostenlos für alle Kunden frei.

Verschiedene Faktoren belasten Serviceumsätze

Die steigende Datennutzung über moderne Smartphones kann die insgesamt sinkenden Service-Umsätze bei allen Mobilfunkbetreibern trotz allem noch nicht vollständig kompensieren. Ein Blick auf den durchschnittlichen Umsatz pro Kunde (ARPU) zeigt, wie schwer die stark rückläufigen Erlöse aus der Sprachtelefonie und dem Kurznachrichten-Versand wiegen - unabhängig von der Entwicklung der Kundenzahl. Aktuell generieren die einzelnen Kunden nämlich sowohl im Postpaid- als auch im Prepaid-Bereich teils deutlich weniger Umsatz als noch vor einem Jahr.

Ursächlich hierfür ist nicht allein die gesunkene Nutzung von Sprachtelefonie oder die zunehmende Verdrängung der SMS durch alternative Messaging-Dienste. Um konkurrenzfähig zu bleiben und die Kundenbindung zu festigen, haben die Anbieter viel an ihren Tarifportfolios geschraubt und sie verstärkt auf umfangreiche Bundles ausgerichtet, die größere Mengen an Inklusiv-Einheiten, einzelne Flats oder gleich All-Net Flatrates enthalten.

Diese aktuellen Umstellungen gaben auch vielen Bestandskunden einen Anlass, von ihrem Altvertrag auf ein günstigeres Produkt zu wechseln. So führten unter anderem Vodafone und o2 ihre Einbußen bei den Serviceumsätzen zu einem nicht geringen Teil auf Preissenkungen zurück, die sich durch Tarifwechsel schrittweise über die Kundenbasis hinweg ausweiten.

Zugkräftige Datendienste dürften deshalb in naher Zukunft sogar noch bedeutender werden. Gerade Tarif-Optionen, die dem Kunden das kostenpflichtige Nachbuchen von zusätzlichem Datenvolumen ermöglichen, sollen die wichtigen "Out of Bundle"-Erlöse wieder in die Höhe treiben und mittel- bis langfristig auch die sinkenden Gesprächs- und SMS-Erlöse ersetzen.

Marktgeschehen im Q2 2014 in Stichpunkten

  • E-Plus mit größten Zuwachs an Mobilfunkkunden insgesamt
  • Vodafone einziger Netzbetreiber mit Verlusten bei Postpaid-Verträgen sowie Mobilfunkkunden insgesamt
  • Mobilfunk-Serviceumsätze bei allen Betreibern rückläufig bzw. stagnierend
  • Umsätze aus Endgeräteverkauf bei Telekom und o2 rückläufig
  • E-Plus Übernahme durch Telefónica wird von EU-Kommission am 2. Juli 2014 unter Auflagen genehmigt

Newsberichte zum Q2 2014



DSLWEB Archiv: Der deutsche Mobilfunkmarkt im Rückblick

Die Quartalsberichte, die SmartWeb regelmäßig veröffentlicht, bilden immer nur den aktuellen Stand der Verhältnisse auf dem deutschen Mobilfunkmarkt ab. Um Trends zu verfolgen und Rückschlüsse auf die Marktentwicklung ziehen zu können, bedarf es den Blick auf längerfristige Zeiträume.

SmartWeb begleitet den deutschen Mobilfunkmarkt seit 2012 mit vierteljährlichen Reports. Über den Gesamtindex lassen sich alle bisherigen Ausgaben zentral abrufen.

Zur Gesamtübersicht: SmartWeb Mobilfunk Report Deutschland

Alle SmartWeb Mobilfunk-Reports aus dem Jahr 2014 lassen sich auch direkt über folgende Links erreichen:

Archiv der DSLWEB Marktreports