Q2 2015: Neue Frequenzen für alte Netzbetreiber

SmartWeb Mobilfunk Report Deutschland Q2 2015

Die große Frequenzauktion im Mai war nicht zuletzt mit der Hoffnung verknüpft, dass in Deutschland ein neuer vierter Mobilfunk-Netzbetreiber in den Markt eintreten könnte. Diese Hoffnung hatte sich jedoch bereits im Vorfeld der Versteigerung längst zerschlagen - und auch sonst rüttelt nur wenig am aktuellen Kräfteverhältnis.

Aktualisiert 05.04.2018
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Im Q2 2015 hat sich das Gleichgewicht auf dem deutschen Mobilfunkmarkt weiter weg vom Prepaid-Segment und hin zu den Postpaid-Laufzeitverträgen verschoben. Deren Zahl ist zwischen April und Juni nochmals um rund 713.000 auf 58,45 Millionen geklettert. Die Gesamtzahl der Mobilfunkverträge in Deutschland ist mit einem Plus von 75.000 Verträgen unterm Strich jedoch nahezu stabil bei knapp 112,4 Millionen geblieben.

Der Schuldige für die stagnierende Gesamtkundenzahl ist schnell ausgemacht: Während das Kundenwachstum bei o2 und der Telekom zur Jahresmitte hin nämlich weiter an Fahrt aufgenommen hat, ist die Zahl der Vodafone Mobilfunkverträge im Q2 2015 zum zweiten Mal in Folge kräftig abgesackt.

SmartWeb Mobilfunk Report Q2 2015

o2 hat die größte Kundenbasis, die Telekom die wertigste

Der kundenstärkste deutsche Mobilfunknetzbetreiber, o2, verzeichnete im Q2 2015 auch das höchste effektive Kundenwachstum. Unterm Strich hat er dabei um 438.000 auf 42,6 Millionen Gesamtverträge zugelegt. Der größere Teil dieser Netto-Neuverträge stammt allerdings aus der Prepaid-Schiene: Den 237.000 zusätzlichen o2 Prepaid-Verträgen steht ein kleineres Plus von 201.000 Postpaid-Verträgen gegenüber.

Überhaupt ist der Anteil der wesentlich lukrativeren Postpaid-Kundenverträge im o2 Netz immer noch vergleichsweise gering, mit 19,1 Millionen beträgt er knapp 45 Prozent. Genau entgegengesetzt verhält es sich bei der Deutschen Telekom: Diese hat im Q2 2015 unterm Strich zwar nur 265.000 Mobilfunkverträge hinzugewonnen, konnte ihren Postpaid-Anteil gleichzeitig aber weiter auf inzwischen über 58 Prozent ausbauen. Hier legte die Telekom innerhalb von drei Monaten nämlich um weitere 408.000 auf 22,98 Millionen Verträge zu. Insgesamt zählte die Telekom zum 30. Juni rund 39,47 Millionen Mobilfunkkunden.

Der bessere Produktmix schlägt sich auch in den übrigen Kennzahlen nieder, weshalb sich die Telekom letztlich auch nach wie vor an der Marktspitze sieht. Zwar überholte o2 die Telekom im Zuge der Übernahme von E-Plus als kundenstärkster Netzbetreiber, in Hinsicht auf die Umsatzzahlen hat die Telekom aber immer noch die Nase vorn. So belief sich der Mobilfunk-Serviceumsatz der Telekom im Q2 2015 auf 1,67 Mrd. Euro, während es o2 hier trotz seiner größeren Kundenbasis im gleichen Zeitraum nur auf 1,38 Mrd. Euro gebracht hat.

Diagramm: Kundenzahlen der Mobilfunk-Netzbetreiber in Deutschland Q2 2015

Marktgeschehen im Q2 2015 in Stichpunkten

  • Frequenzauktion der BNetzA erlöst insgesamt 5,1 Mrd. Euro
  • Auktionsteilnehmer verpflichten sich zu neuen LTE Ausbauzielen
  • Vodafone mit höchstem Verlust an Mobilfunkverträgen seit Q1 2013

Vodafone wiederum hatte im Q2 2015 sogar noch höhere Kundenverluste als im Q1, insgesamt ist die Zahl der Vodafone Mobilfunkverträge um weitere 628.000 auf 30,32 Millionen abgerutscht. Selbst im Postpaid-Bereich konnte Vodafone im Q2 lediglich 104.000 Kundenverträge hinzugewinnen, zum Jahresbeginn hatte der Provider hier noch über 380.000 Netto-Neuverträge eingefahren.

Die lange erhoffte Trendwende bleibt also weiterhin aus, weshalb sich Vodafone mit kleineren Erfolgen begnügen muss - so hebt der Mobilfunker beispielsweise seine Kündigungsrate hervor, die mit 13,8 Prozent inzwischen den niedrigsten Wert seit drei Jahren erreicht hat. Auch der Rückgang bei den Mobilfunk-Serviceumsätzen hat sich weiter verlangsamt: Während dieser im Q1 2015 noch 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr betragen hatte, ist das Minus im Q2 auf 1,2 Prozent abgeschmolzen.


Diagramm: Marktanteile der Mobilfunk-Netzbetreiber in Deutschland Q2 2015

Frequenzauktion zementiert den Status quo

Mit der Übernahme von E-Plus durch o2 ist die Zahl der Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland inzwischen auf drei zusammengeschrumpft. Auf absehbare Zeit wird sich daran auch nichts ändern. Die Hoffnung nämlich, dass die für das Q2 2015 anberaumte Frequenzversteigerung durch die Bundesnetzagentur den Weg für einen neuen vierten Netzbetreiber ebnen könnte, hatte sich bereits frühzeitig zerschlagen.

Dabei hätte es durchaus weitere Interessenten gegeben: So hatten etwa mit Liquid Broadband und Airdata auch zwei kleinere Unternehmen im Vorfeld angekündigt, ihren Hut ebenfalls in den Ring werfen zu wollen. Dass aber beispielsweise Liquid Broadband nicht auf Augenhöhe mit den bestehenden Netzbetreibern würde mitbieten können, war von vorneherein klar.

Als krasser Außenseiter setzt das Unternehmen ohnehin auf eine gänzlich andere Strategie als die etablierten Mobilfunk-Größen: Statt eines klassischen Mobilfunknetzes versucht der Anbieter - erinnernd an die WLAN Freifunk-Initiativen -, über kleine "NetStations" in den Kundenhaushalten ein LTE Netz aufzuspannen und dieses nur punktuell um Mobilfunkmasten zu ergänzen. Aus diesem Grund war Liquid Broadband an den angebotenen Mobilfunkfrequenzen im Bereich 700 MHz interessiert, die sich besonders gut für die Abdeckung von weniger dicht besiedelten Regionen eignen.

Um auch kleineren Interessenten Chancen einzuräumen, plädierte Liquid Broadband dafür, bestimmte Frequenzen für eben solche "innovative" Ansätze zu reservieren und sie so dem Zugriff durch die drei bestehenden Netzbetreiber zu entziehen. Zu einer solchen strikten Regulierung war die Bundesnetzagentur allerding nicht bereit. Auch sonst bot das durch die Behörde festgelegt Vergabeverfahren wenig Spielraum für neue Marktteilnehmer. So musste jeder Teilnehmer pro Bietberechtigung - also für jeden einzelnen angestrebten 5 MHz-Frequenzbereich - eine Sicherheitsleistung in Höhe von 18,75 Mio. Euro hinterlegen.

Vergaberegelungen sorgen für Rechtsstreitigkeiten

Während Liquid Broadband letztlich auf eine Bewerbung für das Auktionsverfahren verzichtete, wurde Airdata die Zulassung zur Frequenzversteigerung von der Bundesnetzagentur verweigert. Die Versuche der beiden Unternehmen, das anstehende Bieterverfahren über Eilanträge gegen die "unklaren" bzw. "rechtswidrigen" Vergabebedingungen zu stoppen, wurden vom Verwaltungsgericht Köln abgewiesen.

Die "kleinen" waren jedoch nicht die einzigen, die rechtliche Schritte eingeleitet haben. Auch der o2 Mutterkonzern Telefónica hat gegen das Vergabeverfahren der Bundesnetzagentur Klage eingereicht, wenngleich dessen Vorwürfe etwas anders gelagert sind: Der Telefónica geht es vor allem um die spätere Verwendung der Auktionserlöse, die zu einem erheblichen Teil in den Glasfaserausbau in bisher unterversorgten Regionen fließen sollen.

Da in der Vergangenheit aber vor allem die Deutsche Telekom von der staatlichen Breitband-Förderung profitiert hat, ergebe sich für diese ein unfairer Vorteil während der Versteigerung. Sie könne sich damit nämlich sicher sein, über ihre Festnetz-Sparte einen nicht unerheblichen Teil der Ausgaben für die neuen Frequenzen in Form von Fördermitteln zurückzuerhalten - und so ermutigt sein, überhöhte Gebote abzugeben.


Netzbetreiber Frequenzmenge Zuschlagspreis
Logo o2

700 MHz: 2 x 10 MHz

900 MHz: 2 x 10 MHz

1.800 MHz: 2 x 10 MHz

1,198 Mrd. €

Logo Telekom

700 MHz: 2 x 10 MHz

900 MHz: 2 x 15 MHz

1.800 MHz: 2 x 15 MHz

1.500 MHz: 1 x 20 MHz

1,792 Mrd. €

Logo Vodafone

700 MHz: 2 x 10 MHz

900 MHz: 2 x 10 MHz

1.800 MHz: 2 x 25 MHz

1.500 MHz: 1 x 20 MHz

2,091 Mrd. €

Quelle: Bundesnetzagentur


Bietergefecht ohne eindeutigen Sieger oder Verlierer

Trotz teils hitziger Diskussionen über das Vergabeverfahren wurden letzten Endes lediglich die bisherigen deutschen Netzbetreiber o2, Telekom und Vodafone überhaupt zur Frequenzauktion zugelassen. Diese konnte wie geplant am 27. Mai 2015 starten und fand am 19. Juni 2015 nach insgesamt 181 Bieter-Runden ihr Ende.

Versteigert wurden insgesamt 270 MHz an Spektrum aus verschiedenen Quellen. Neben der vielzitierten Digitalen Dividende II - also den durch die Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 frei werdenden TV-Frequenzen - handelte es sich dabei um GSM Mobilfunk-Frequenzen, deren aktuelle Nutzungsrechte Ende 2016 auslaufen, sowie erstmals zu vergebende Frequenzen aus dem 1.500 MHz Bereich.

Der Gesamterlös der Auktion belief sich am Ende auf rund 5,01 Mrd. Euro, wobei sich alle Anbieter ähnlich viele der begehrten Frequenzen aus den 700 MHz und 900 MHz Bereichen sichern konnten. Während o2 für knapp 1,2 Mrd. Euro 60 MHz an Spektrum erworben hat, gab die Telekom rund 1,8 Mrd. Euro für insgesamt 100 MHz Spektrum aus und Vodafone investierte etwas mehr als 2 Mrd. Euro für 110 MHz an Spektrum.

Ein eindeutiger Gewinner oder Verlierer lässt sich in dem kleinen Bieterkreis damit nicht ausmachen. Dementsprechend wohlwollend, aber nüchtern, kommentierten denn auch alle drei Mobilfunker den Ausgang der Auktion. Am ehesten als Sieger fühlte sich wohl noch Vodafone, das Unternehmen habe "nicht nur die meisten, sondern vor allem sehr wertvolle Frequenzen" ersteigern können. Die Telekom zeigte sich schlicht "zufrieden" mit der Auktionsergebnis und der Telefónica-CEO Thorsten Dirks sprach von einem "werthaltigen Frequenzpaket", welches "das bestehende Spektrum gut ergänzt".

LTE Ausbau: Jetzt stehen die Netzbetreiber in der Pflicht

Das Ende der Frequenzauktion markiert also keine tiefgreifende Zäsur für den deutschen Mobilfunkmarkt, im Grunde wurde in erster Linie der Status quo bestätigt. Allerdings stehen die Netzbetreiber beim LTE Ausbau stärker in der Pflicht als je zuvor. Denn an die Zuteilung der nun versteigerten Frequenzen hat die Bundesnetzagentur einige konkrete Ausbauziele geknüpft.

Frequenzauktion 2015

Start: 27. Mai 2015

Ende: 19. Juni 2015

Anzahl Bietrunden: 181

Gesamterlös: 5.081.236.000 €

Versteigertes Spektrum: 270 MHz

  • freiwerdende DVB-T Frequenzen (700 MHz)
  • bestehende GSM Frequenzen (900 MHz, 1.800 MHz)
  • erstmals vergebene Frequenzen (1.500 MHz)
Netzbetreiber LTE Kunden
Q1 2015
LTE Kunden
Q2 2015
LTE Abdeckung
Q1 2015
LTE Abdeckung
Q2 2015
Logo o2

5,15 Mio.

6,1 Mio.

< 75%

< 75%

Logo Telekom

6,42 Mio.

7,0 Mio.

82%

85%

Logo Vodafone

5,0 Mio.

5,5 Mio.

77%

78%

Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen die Betreiber so für eine bundesweite mobile Breitband-Abdeckung von 98 Prozent sorgen, wobei in jedem Bundesland mindestens 97 Prozent der Haushalte erreicht werden müssen. Entlang der Hauptverkehrswege - Bundesautobahnen und ICE-Strecken - muss sogar eine vollständige Versorgung sichergestellt werden.

Für eine ausreichende Versorgung sieht die Bundesnetzagentur pro Antennensektor eine Download-Leistung von mindestens 50 Mbit/s vor. Damit soll sichergestellt werden, dass für den einzelnen Nutzer "in der Regel" eine tatsächliche Verbindungsgeschwindigkeit von rund 10 Mbit/s zur Verfügung steht.

Als weitere Auflage müssen die Inhaber der Frequenzlizenzen die Bundesnetzagentur fortan jährlich über den Stand der Frequenznutzung und den Ausbaustatus ihres Mobilfunknetzes unterrichten. Das betrifft sowohl die erreichte Flächenabdeckung, als auch die durchschnittlichen, tatsächlich zur Verfügung stehenden Übertragungsraten sowie die Einführung von technologischen Weiterentwicklungen.


Weiterführende Informationen zu den einzelnen Anbietern

Als Ergänzung zum vierteljährlich erscheinenden Mobilfunk Report bereitet SmartWeb die Geschehnisse auf dem deutschen Markt in Newsberichten auf und stellt zusätzliche Info-Grafiken zu den einzelnen Netzbetreibern bereit. Der Stand zum 2. Quartal 2015:




DSLWEB Archiv: Der deutsche Mobilfunkmarkt im Rückblick

Die Quartalsberichte, die SmartWeb regelmäßig veröffentlicht, bilden immer nur den aktuellen Stand der Verhältnisse auf dem deutschen Mobilfunkmarkt ab. Um Trends zu verfolgen und Rückschlüsse auf die Marktentwicklung ziehen zu können, bedarf es den Blick auf längerfristige Zeiträume.

SmartWeb begleitet den deutschen Mobilfunkmarkt seit 2012 mit vierteljährlichen Reports. Über den Gesamtindex lassen sich alle bisherigen Ausgaben zentral abrufen.

Zur Gesamtübersicht: SmartWeb Mobilfunk Report Deutschland

Alle SmartWeb Mobilfunk-Reports aus dem Jahr 2015 lassen sich auch direkt über folgende Links erreichen:

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