Q3 2015: Die Mischung macht's - Warum der Marktführer der Konkurrenz noch hinterherhinkt

SmartWeb Mobilfunk Report Deutschland Q3 2015

Durch die Fusion mit E-Plus ist o2 zum Mobilfunk-Marktführer aufgestiegen - zumindest, was die Kundenzahlen angeht. In Hinsicht auf die Serviceumsätze dagegen stehen die beiden anderen Netzbetreiber deutlich besser da. Darüber hinaus werfen wir in unserem aktuellen Report noch einen Blick auf die ambitionierten Mobilfunk-Pläne der Drillisch AG.

Aktualisiert 05.04.2018
SmartWeb Mobilfunk Report Q3 2015 - Warum der Marktführer der Konkurrenz noch hinterherhinkt 4.42 / 5 12 1 Sterne 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne (12)

Insgesamt ist die Zahl der Mobilfunkverträge in Deutschland im Q3 2015 um eine Million auf 113,4 Millionen angewachsen. Anders als inzwischen gewohnt, hielten sich die Netto-Neuverträge im Postpaid- und Prepaid-Segment dabei weitgehend die Waage. Unterm Strich haben die deutschen Mobilfunk-Netzbetreiber zwischen Juli und September ein Plus von 533.000 Laufzeitverträgen und 467.000 Prepaidverträgen verzeichnet. Mit insgesamt 58,98 Millionen Postpaid-Verträgen verbleibt deren Anteil am Gesamtmarkt bei 52,0 Prozent.

Dass die Zahl der Prepaid-Mobilfunkverträge im Q3 2015 nicht weiter zurückgegangen ist, liegt neben saisonalen Effekten jedoch vor allem an einer Umschichtung bei Vodafone: Der Netzbetreiber hat offenbar einen Teil seiner bestehenden Verträge reklassifiziert, im eigentlichen Neukundengeschäft aber hat Vodafone nur bei den Postpaid-Verträgen hinzugewonnen.

Kundenplus: o2 und Telekom mit unterschiedlichen Stärken

Der Blick auf die Entwicklung der Prepaid- und Postpaid-Segmente verdeutlicht einmal mehr auch die unterschiedliche Positionierung der beiden großen Rivalen o2 und Deutsche Telekom. Während o2 seit der Fusion mit E-Plus die mit Abstand meisten Mobilfunkverträge in Deutschland vereint, reklamiert die Telekom weiterhin die Marktführerschaft bei den Mobilfunk-Serviceumsätzen für sich.

Die Zahl der o2 Mobilfunkkunden ist zwischen Juli und Ende September um insgesamt 672.000 auf 43,29 Millionen angestiegen. Die Telekom wiederum verzeichnete im gleichen Zeitraum einen etwas schwächeren Gesamtzuwachs von 427.000 Verträgen und brachte es zum 30. September damit auf 39,89 Millionen Mobilfunkverträge.

Die aktuellen Zugewinne setzen sich allerdings sehr unterschiedlich zusammen: Während die Mehrheit der zusätzlichen Telekom Mobilfunkverträge aus dem Postpaid-Segment stammt (+ 363.000), hat o2 im Q3 2015 in erster Linie Prepaid-Verträge hinzugewonnen (+ 503.000). Diese Schere klafft keineswegs nur im Q3 2015 zwischen den beiden Betreibern auseinander. So kann die Deutsche Telekom mit 58,5 Prozent den höchsten Anteil an Postpaidverträgen unter den drei deutschen Netzbetreibern vorweisen, o2 hingegen bildet in dieser Hinsicht mit knapp 44,6 Prozent das Schlusslicht.

Marktgeschehen im Q3 2015 in Stichpunkten

  • Zahl der Mobilfunkverträge steigt um 1 Mio. auf 113,4 Mio. an
  • Drillisch erhält Kapazitäten im Netz von Telefónica Deutschland
  • Drillisch startet erste Yourfone Ladenlokale

Mal wieder ein Minus: Vodafone kann noch nicht zufrieden sein

Nach wesentlich stärkeren Verlusten in den vorangegangenen Quartalen ist die Zahl der Mobilfunkverträge im Vodafone Netz zwischen Juli und September nochmals um 99.000 auf 30,22 Mio. zurückgegangen. Nach eigenen Angaben hat Vodafone im Q3 2015 dabei rund 245.000 Postpaid-Verträge hinzugewonnen - das wären rund doppelt so viele wie im Vorjahresquartal. In diesem Wert spiegeln sich jedoch nicht zuletzt 244.000 reklassifizierte Prepaid-Kunden im Vodafone Netz wider, die bereits in den für das Q2 2015 ausgegebenen Wert von 16,345 Mio. Postpaid-Verträgen eingeflossen waren.

Aussagekräftiger ist daher der Vergleich mit dem Vorjahreswert: Seit dem Q4 2014 konnte Vodafone demnach um 721.000 auf 16,346 Mio. Postpaid-Kundenverträge zulegen. Gleichzeitig ist die Zahl der Prepaid-Teilnehmer im Vodafone Netz um volle 2,216 Mio. auf 13,87 Mio. zurückgegangen.

Insgesamt befindet sich Vodafone derzeit in einem langen, eher schleichenden Prozess der Erholung, wozu auch die Zugewinne im Postpaid-Bereich beitragen. Dennoch sind die Mobilfunk-Serviceumsätze des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent abgesunken. Dazu passt auch das Fazit des neuen Vodafone Deutschland-Chefs Hannes Ametsreiter, der seinen Posten am 1. Oktober 2015 angetreten hat: "Die Zahlen zeigen: Vodafone hat gute Fortschritte gemacht. Aber wir haben noch viel zu tun. Mit den Ergebnissen können wir noch nicht zufrieden sein. Wir müssen Vodafone wieder voll auf Kurs bringen."



Serviceumsätze im Fokus: Warum der Kundenmix so wichtig ist

Wie wertvoll gerade die Postpaid-Verträge für die Netzbetreiber sind, lässt sich anhand der Mobilfunk-Serviceumsätze der drei Rivalen ablesen. Hier zeigt sich, dass o2 zwar die meisten Mobilfunkverträge vereint, bei den Serviceumsätzen jedoch hinter den beiden anderen Betreibern rangiert. Das wiederum ist nicht zuletzt auf den geringen Anteil an Postpaid-Kundenverträgen im o2 Netz zurückzuführen.

Der durchschnittliche monatliche Umsatz pro Kunde (ARPU) nämlich ist im Postpaid-Segment bei allen Anbietern ungleich höher. Am weitesten klafft er bei Vodafone auseinander - hier hat der durchschnittliche Postpaid-Kunde im Q3 2015 rund 25,70 €/Monat umgesetzt, der durchschnittliche Prepaid-Kunde dagegen gerade einmal 3,50 €/Monat. Obwohl o2 im Vergleich mit den Mitbewerbern einen extrem hohen Prepaid-ARPU von 6 Euro aufweist, schlägt sich das Übergewicht an Prepaid-Verträgen im o2 Kundenbestand letztlich deutlich im Gesamt-ARPU und Serviceumsatz nieder.

Netzbetreiber Mobilfunk Anteil Postpaid Service-Umsatz ARPU gesamt ARPU Postpaid ARPU Prepaid

o2

43,29 Mio.

44,5%

1,419 Mrd. €

10,9 €

17,4 €

6,- €

Deutsche Telekom

39,89 Mio.

58,5%

1,692 Mrd. €

14,- €

22,- €

3,- €

Vodafone

30,22 Mio.

54,1%

1,525 Mrd. €

15,5 €

25,7 €

3,5 €

Allerdings hinkt o2 der Konkurrenz auch beim Postpaid-ARPU hinterher. Gerade bei ihrer Kernmarke o2 ist die Telefónica deshalb aktuell weniger an raschem Kundenwachstum interessiert, stattdessen steht für den Anbieter die bessere Monetarisierung der bestehenden Kundenbeziehungen im Vordergrund. Das Unternehmen will daher zweigleisig fahren - während o2 als Premium-Marke positioniert wird, sollen die kleineren Eigenmarken sowie die Netzpartner für Kundenzugewinne im günstigeren Segment sorgen.

Streaming-Angebote treiben Datenvolumen in die Höhe

Worin aber liegt das große Wachstumspotential im Premium-Segment? In erster Linie sind das nach wie vor die mobilen Datendienste, die sogar noch weiter an Zugkraft gewonnen haben. Bei Vodafone beispielsweise ist das durchschnittliche Datenvolumen, das ein Kunde pro Monat in Anspruch nimmt, seit dem letzten Jahr so von 550 auf 632 Megabyte angewachsen.

Besonders stark steigt der Datenhunger bei Nutzern, die auf eine schnelle LTE Verbindung zurückgreifen können, wie aktuelle Zahlen von o2 zeigen: Im Q3 2015 kamen die LTE Kunden des Providers demnach bereits auf ein durchschnittliches monatliches Übertragungs-Volumen von 1,07 Gigabyte. Allein gegenüber dem Vorquartal entspricht dies einem Anstieg um 11 Prozent. Getrieben wird diese Entwicklung laut o2 in erster Linie von Musik- und Videostreaming.

Letztlich greifen deshalb auch tatsächlich immer mehr Nutzer direkt zu höherwertigen Mobilfunktarifen - bei o2 haben sich im Q3 2015 immerhin 37 Prozent der Neukunden für einen Tarif mit einem monatlichen Inklusiv-Volumen von mehr als 1 GB entschieden.

Hoffnung auf eine neue vierte Kraft: Drillisch dreht auf

Der Zusammenschluss von o2 und E-Plus hat den deutschen Mobilfunkmarkt noch überschaubarer gemacht, denn von den bislang vier Netzbetreibern sind nun nur noch drei übrig geblieben. Auf absehbare Zeit wird dies wohl auch so bleiben, denn die Auflagen der Europäischen Kommission, die eigentlich den Markteintritt einer neuen vierten Kraft begünstigen sollten, haben bislang nur sehr bedingt gefruchtet. So wurde die Telefónica unter anderem dazu verpflichtet, eine Reihe von auslaufenden Mobilfunkfrequenzen vorzeitig zurückzugeben. Zu der großen Frequenzversteigerung durch die Bundesnetzagentur im Mai und Juni diesen Jahres, in deren Rahmen auch die betreffenden Lizenzen neu vergeben wurden, wurden dann aber lediglich die drei etablierten Größen zugelassen (siehe dazu auch Mobilfunk Report Q2 2015).

Einen "echten" neuen Netzbetreiber wird es in Deutschland damit auf absehbare Zeit wohl nicht geben. Eine andere Auflage der EU-Kommission hält aber zumindest die Tür für die Formation eines weiteren starken Mobilfunkanbieters offen, denn zusätzlich muss o2 einen Teil seiner bestehenden Netzkapazitäten an einen anderen Provider abgeben. Nach einigen Verhandlungen hat sich o2 schließlich für die Drillisch AG als zukünftigen Netzpartner entschieden.

Im Rahmen der Mitte 2014 geschlossenen Vereinbarung sicherte sich Drillisch so zunächst 20 Prozent der bestehenden Kapazitäten, mit einer Option, diesen Anteil nachträglich auf bis zu 30 Prozent zu erhöhen. Drillisch hat dabei sowohl Zugang zum modernen LTE Netz von o2 als auch zu allen zukünftigen Mobilfunktechnologien.

Um sich weiter in Stellung zu bringen, hat sich Drillisch jedoch noch an anderer Stelle bei o2 bedient. So hat Drillisch ebenfalls im Sommer 2014 mit der Telefónica vereinbart, mehrere Hundert der bestehenden o2 und Base Shops zu übernehmen. Im November 2014 wurde dann bekannt, dass Drillisch auch die bisherige E-Plus Marke Yourfone mitsamt 235.000 aktiven Yourfone-Kundenverträgen aufkaufen würde. Damit war die neue Stoßrichtung im Grunde klar: Drillisch würde Yourfone zu seiner neuen Premium-Marke mit physischer Präsenz in den deutschen Innenstädten machen (siehe dazu auch Mobilfunk Report Q3 2014).

Yourfone kommt in die Innenstädte, ins Fernsehen und ins Kino

Mit der Übernahme von Yourfone im Januar 2015 war der erste Grundstein für die Umsetzung dieser Neuausrichtung gelegt, zum Beginn des Q3 2015 konnte der Plan nun vollends in Gang gesetzt werden. Am 1. Juli nämlich erhielt Drillisch zum einen wie geplant den Zugang zum o2 Netz, zum anderen wurde die schrittweise Übergabe der insgesamt 301 von Drillisch ausgewählten Ladenlokale gestartet.

Wie erwartet, werden die neuen Shops mit dem Yourfone-Markennamen versehen, der zur neuen großen Offline-Marke aufgebaut werden soll. Gleichzeitig positioniert Drillisch Smartmobil.de als Fokusmarke für den Online-Vertrieb. Während diese beiden Namen besonders im Rampenlicht stehen, hält das Unternehmen aber weiter an seiner Mehrmarken-Strategie fest und wendet sich mit etlichen weiteren Marken wie DeutschlandSIM, simply, winSIM, maXXim oder helloMobil an unterschiedliche Zielgruppen.


Anzeigenmotiv zum Start der ersten Yourfone Ladenlokale


Ein weiterer Baustein für den Angriffsplan der Drillisch AG ist der Mitte April 2015 abgeschlossene Kauf des Vertriebsspezialisten The Phone House. Das neue Tochterunternehmen übernimmt nicht nur die Betreuung der eigenen Yourfone Shops, sondern soll die Drillisch-Marken auch im freien Einzel- und Fachhandel etablieren.

Um die Bekanntheit seiner Marken voranzutreiben, investiert Drillisch außerdem verstärkt in Werbung. Von 8,4 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum hat das Unternehmen seine Werbeausgaben für die ersten 9 Monate im Jahr 2015 auf 42,4 Mio. Euro hochgefahren. Allein zwischen April und September 2015 hat sich die Markenbekanntheit von Smartmobil laut Unternehmensangaben so auf 6,3 Prozent verdreifacht. Im Q4 2015 will Drillisch den Werbedruck nun nochmals erhöhen und nächstes Jahr auf diesem Niveau aufrechterhalten. Von TV- und Radio-Kampagnen über Kino- und Plakat-Werbung bis hin zu Printanzeigen sollen dabei so ziemlich alle Kanäle bespielt werden und so auch insbesondere die Offline-Marke Yourfone weiter nach vorne gebracht werden.

Seit Jahresbeginn konnte Drillisch die Zahl seiner Mobilfunkkunden um über 500.000 auf rund 2,5 Millionen steigern. Das ist noch weit entfernt von den Zahlen der echten Netzbetreiber, dennoch sieht sich Drillisch laut eigenem Claim grundsätzlich "Auf Augenhöhe mit den Netzbetreibern". Tatsächlich genießt Drillisch als sogenannter virtueller Netzbetreiber handfeste Vorteile gegenüber herkömmlichen Drittanbietern und kann seine eigenen Tarife weitgehend frei gestalten, auch in Bezug auf Drosselungen und Datenvolumen. Etwas frischer Wind dürfte also doch in den Mobilfunkmarkt kommen - auch wenn die Netzbetreiber als solche erstmal unter sich bleiben.


Weiterführende Informationen zu den einzelnen Anbietern

Als Ergänzung zum vierteljährlich erscheinenden Mobilfunk Report bereitet SmartWeb die Geschehnisse auf dem deutschen Markt in News-Meldungen auf und stellt zusätzliche Info-Grafiken zu den einzelnen Netzbetreibern bereit. Der Stand zum 3. Quartal 2015:




DSLWEB Archiv: Der deutsche Mobilfunkmarkt im Rückblick

Die Quartalsberichte, die SmartWeb regelmäßig veröffentlicht, bilden immer nur den aktuellen Stand der Verhältnisse auf dem deutschen Mobilfunkmarkt ab. Um Trends zu verfolgen und Rückschlüsse auf die Marktentwicklung ziehen zu können, bedarf es den Blick auf längerfristige Zeiträume.

SmartWeb begleitet den deutschen Mobilfunkmarkt seit 2012 mit vierteljährlichen Reports. Über den Gesamtindex lassen sich alle bisherigen Ausgaben zentral abrufen.

Zur Gesamtübersicht: SmartWeb Mobilfunk Report Deutschland

Alle SmartWeb Mobilfunk-Reports aus dem Jahr 2015 lassen sich auch direkt über folgende Links erreichen: