Q3 2017: Schwächelndes Prepaid-Geschäft und wachsender Datenhunger

SmartWeb Mobilfunk Report Deutschland Q3 2017

Das kostenfreie EU-Roaming und die neu eingeführte Ausweispflicht beim SIM-Karten-Kauf haben im Q3 2017 zu einem Einbruch beim Absatz von Prepaid-Karten geführt. Gleichzeitig profitieren die Netzbetreiber von der steigenden Datennutzung in den Mobilfunknetzen, die das Interesse an höherwertigen Laufzeit-Angeboten schürt.

Aktualisiert 05.04.2018
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Unterm Strich blieb Stillstand: Mit einem denkbar kleinen Netto-Plus von gerade einmal 8.000 Verträgen ist die Gesamtzahl der Mobilfunk-Kundenverträge in Deutschland im Q3 2017 kaum noch angestiegen. Zum Quartalsende am 30. September 2017 belief sie sich auf 118,051 Millionen.

Dieses Nahe-Nullwachstum ist der gegenläufigen Entwicklung in den beiden grundlegenden Marktsegmenten geschuldet. Denn während der lukrative Postpaid-Bereich ein gesundes Wachstum um 768.000 auf 63,644 Millionen Laufzeitverträge verbuchen konnte, ging es im Prepaid-Bereich steil bergab. Zwischen Juli und Ende September rutschte der Gesamtbestand an Prepaid-Kundenverträgen um 760.000 auf 54,407 Millionen. ab. Eine vergleichbare Prepaid-Bereinigung hatte es zuletzt Anfang 2015 gegeben.

Telefónica büßt halbe Million Prepaid-Karten ein

Nach fünf Quartalen in Folge mit solidem Kundenwachstum war die Zahl der Teilnehmer im Telefónica Mobilfunknetz erstmals wieder rückläufig. Unterm Strich hat o2 im Q3 2017 sogar rund 352.000 Mobilfunk-Kundenverträge eingebüßt - mit über 44,84 Millionen Verträgen bleibt Telefónica aber weiter der mit Abstand kundenstärkste deutsche Mobilfunk-Netzbetreiber.

Das deutliche Minus ist auf die Schwäche des Prepaid-Bereichs zurückzuführen - hier ist der Bestand an Kundenverträgen um 535.000 auf 23,754 Millionen abgerutscht. Dafür waren letztlich mehrere Faktoren verantwortlich, unter anderem haben laut Telefónica auch einfach saisonale Effekte eine Rolle gespielt. Wesentlich stärker dürfte sich jedoch eine Reihe von gesetzlichen Neuregelungen ausgewirkt haben, die im Sommer 2017 erstmals gegriffen haben.


Durch neue Verordnungen: Prepaid-Tarife verlieren an Attraktivität

Eine der angesprochenen Neuregelungen geht auf das 2016 verabschiedete Gesetzespaket zur Terrorbekämpfung zurück. Dieses beinhaltete auch eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes, die am 1. Juli 2017 in Kraft trat. Seitdem ist der Kauf bzw. die Aktivierung von Prepaid-Karten nur noch nach Ausweis-Vorlage möglich. Der vormals völlig unkomplizierte Mitnahmekauf wird damit wesentlich aufwendiger - auch wenn sich die Provider bemühen, durch den Einsatz von Online-Verfahren wie Video-Ident wenigstens etwas gegenzusteuern.

Darüber hinaus haben wohl auch die neuen Bestimmungen zum EU-Roaming ihr Scherflein zu den gesunkenen Prepaid-Absätzen beigetragen. Durch den Wegfall der Roaming-Aufschläge entgehen den Netzbetreibern nämlich nicht nur zusätzliche Nutzungsgebühren. Denn wer seine Inklusiveinheiten, Flatrates und sein Datenvolumen einfach auf Reisen innerhalb der EU mitnehmen kann ("Roam-like-at-home"), muss vor Ort auch nicht mehr auf Prepaid-Karten zurückgreifen, um Kosten zu sparen. Gerade in der Urlaubssaison dürfte das durchaus einen messbaren Effekt gehabt haben.

o2 punktet mit Geburtstags-Angebot und verbessertem Tarifportfolio

Den kräftigen Vertragsrückgang aus dem Prepaid-Bereich konnte Telefónica am Ende nicht mehr vollständig kompensieren - obwohl es für den Netzbetreiber im Postpaid-Segment wesentlich besser gelaufen ist. Hier konnte Telefónica im Q3 2017 um immerhin 183.000 auf insgesamt 21,088 Millionen Laufzeitverträge zulegen.

Das liegt nicht zuletzt an den teils deutlich verbesserten Angeboten, die das Unternehmen in den letzten Monaten unter der Kernmarke o2 aufgelegt hat. Den Anfang machte dabei eine Reihe von speziellen Jubiläums-Aktionen, mit denen das Unternehmen zwischen Mai und Anfang September den 15. Marken-Geburtstag von o2 begangen hat. Im Fokus stand hier der Sondertarif o2 Free 15, der preislich bei den Midrange-Angeboten angesiedelt war, gleichzeitig aber ein Vielfaches des üblichen monatlichen Datentarifs mitbrachte.

In gewisser Weise hatte das Spezialangebot damit auch schon die weitere Stoßrichtung vorweggenommen. Denn direkt im Anschluss an seine Jubiläums-Aktion präsentierte o2 schließlich ein überarbeitetes Smartphone-Tarifportfolio, in dessen Rahmen die bekannten o2 Free Tarife mit deutlich höheren Inklusiv-Volumen neu aufgestellt wurden. Die neuen großvolumigen Laufzeittarife sollen bereits merklich zu den Vertragszugewinnen in der Postpaid-Sparte beigetragen haben.

Allerdings konnte das Unternehmen nicht nur einen steigenden Anteil an Laufzeitverträgen in seinem Netz verzeichnen. Darüber hinaus hat sich auch das Verhältnis der bei den kleineren Partnermarken abgeschlossenen Neuverträgen und denen der Telefónica Eigenmarken verbessert. Während der Partner-Anteil in den beiden Quartalen zuvor noch jeweils 55 Prozent betragen hatte, ist er im Q3 2017 auf 53 Prozent zurückgegangen. Verantwortlich dafür macht Telefónica Deutschland vor allem das gestiegene Preisniveau im Discount-Segment - denn auch die "Billig-Marken" setzen inzwischen verstärkt auf höherwertige Tarife mit umfangreicheren Datenvolumen.

Steigende Mobilfunk-Serviceumsätze bei Telekom und Vodafone

Auch Vodafone musste im Q3 2017 einen effektiven Rückgang an Kundenverträgen einstecken. Insgesamt fiel die Zahl der Teilnehmer im Vodafone Netz dabei um 163.000 auf 30,675 Millionen. Wie bei Telefónica war es auch hier das schwächelnde Prepaid-Geschäft, das die Kundenbilanz in die roten Zahlen drückte. So konnte Vodafone im Q3 zwar 217.000 Laufzeitverträge hinzugewinnen, büßte gleichzeitig aber 380.000 Prepaid-Kundenverträge ein.

Die Deutsche Telekom hingegen konnte trotz aller Widrigkeiten auch im Prepaid-Segment punkten und fuhr hier sogar ein effektives Plus von 155.000 Kundenverträgen ein. Dazu kommen 368.000 Postpaid-Kundenverträge, womit die Telekom im Q3 2017 unterm Strich sogar um 523.000 auf 42,534 Millionen Mobilfunk-Kundenverträge zulegen konnte.

Sowohl der Telekom als auch Vodafone kommt derzeit zusätzlich ihre starke Position auf dem Festnetz-Markt zugute. Denn mehr und mehr Kunden beziehen im Rahmen von Kombi-Produkten gleich mehrere Dienstleistungen von den Netzbetreibern. Die Zahl der Telekom MagentaEINS Kunden hat so im Q3 2017 erstmals die Marke von 3,5 Millionen überschritten. Vodafones Bündelprodukt Vodafone GigaKombi konnte zum Ende des Quartals immerhin die ersten 500.000 Nutzer verzeichnen.

Die Postpaid-Kundenzahlen steigen und die Nachfrage nach höherwertigen Tarifen wächst - diese Entwicklungen stützen natürlich die Mobilfunk-Serviceumsätze der Provider. Durch regulatorische Effekte wie die Absenkung von Terminierungsentgelten und die neuen Roaming-Regelungen sind diese zuletzt trotzdem mächtig unter Druck geraten. Im Vergleich zum Vorjahresquartal konnten die Mobilfunk-Serviceumsätze von Telekom und Vodafone am Ende allerdings dennoch leicht zulegen. Bei Telefónica Deutschland hat es dazu nicht gereicht, selbst um die genannten Effekte bereinigt wären die Serviceumsätze sogar immer noch leicht abgesunken. Immerhin: Der positive Trend hat sich fortgesetzt und der Umsatzrückgang konnte weiter eingedämmt werden.

KennzahlTelekomVodafoneTelefónica

Mobilfunk-Serviceumsatz

1,713 Mrd. €

1,553 Mrd. €

1,344 Mrd. €

Entwicklung

+0,9%

+0,7%

-3,6%

Entwicklung (bereinigt)
ohne Regulierungseffekte

bereinigt:
+3,7%

bereinigt: 
+2,8%

bereinigt: 
-0,1%



Weiterführende Informationen zu den einzelnen Anbietern

Als Ergänzung zum vierteljährlich erscheinenden Mobilfunk Report bereitet SmartWeb die Geschehnisse auf dem deutschen Markt in News-Meldungen auf und stellt zusätzliche Info-Grafiken zu den einzelnen Netzbetreibern bereit. Der Stand zum 3. Quartal 2017:




DSLWEB Archiv: Der deutsche Mobilfunkmarkt im Rückblick

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Zur Gesamtübersicht: SmartWeb Mobilfunk Report Deutschland

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