Q4 2015: Vodafone gelingt die Trendwende

SmartWeb Mobilfunk Report Deutschland Q4 2015

Vodafone hat viel investiert, um seinen Kunden wieder ein "echtes Premium-Netz" zu bieten - und wird dafür im Q4 2015 mit dem ersten effektiven Vertragszuwachs seit anderthalb Jahren belohnt. Bis Ende 2016 will auch o2 in Sachen Netzqualität endlich zu den beiden Mitbewerbern aufschließen und bereitet dazu ein "einmaliges technisches Großprojekt" vor.

Aktualisiert 10.05.2017
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Nach Bereinigungen im Vorjahr hat die Gesamtzahl der Mobilfunkverträge in Deutschland 2015 wieder kräftig zugelegt. Insgesamt ist sie um rund 1,2 Mio. auf 113,8 Mio. angewachsen. Das Verhältnis zwischen Postpaid- und Prepaid-Verträgen hat sich dabei allerdings sehr deutlich verschoben - während die Zahl der Postpaid-Mobilfunkverträge zwischen Januar und Ende Dezember 2015 unterm Strich um 2,4 Mio. auf 59,3 Mio. angestiegen ist, hat die Zahl der aktiven Prepaid-SIM-Karten um weitere 1,2 Mio. auf 54,5 Mio. abgenommen.

Auch im Q4 2015 verzeichnete das lukrative Postpaid-Segment mit 356.000 Netto-Neuverträgen den deutlich größeren Zuwachs. Für den Prepaid-Bereich wiederum ergab sich im vierten Quartal ein effektives Plus von 72.000 Kundenverträgen.

SmartWeb Mobilfunk Report Q4 2015

Telekom überschreitet Marke von 40 Mio. Mobilfunkverträgen

Von den drei deutschen Netzbetreibern konnte im Q4 2015 eindeutig die Deutsche Telekom die größten Kundenzugewinne einfahren. Insgesamt ist die Zahl der Mobilfunkverträge im Telekom Netz um 481.000 auf 40,37 Mio. angestiegen. Dabei war die Telekom sowohl bei den Postpaid-Mobilfunkverträgen (+ 362.000) als auch bei den Prepaid-Verträgen (+ 119.000) im Plus. Auch auf das Gesamtjahr gesehen konnte die Telekom den stärksten Gesamtzuwachs an Mobilfunkverträgen verbuchen (siehe Tabelle Gesamtjahr 2015).

Eine interessante Entwicklung zeichnete sich hier übrigens im Prepaid-Bereich ab: Während die Telekom 2015 im Privatkunden-Segment rund 1,3 Mio. Prepaid-Kundenverträge eingebüßt hat, konnte dieses Minus durch das Business-Geschäft nahezu vollständig kompensiert werden. Den hohen Absatz an Prepaid-Karten führt die Telekom auf den vermehrten Einsatz im Machine-to-Machine (M2M) Bereich zurück, Hauptabnehmer seien demnach die Automobil- und die Logistik-Branche.

Die im Privatkunden-Geschäft abgewanderten Prepaid-Kunden sind laut der Telekom mehrheitlich jedoch keineswegs verloren. Stattdessen ist ein hoher Anteil dieser vormaligen Prepaid-Kunden schlicht auf günstige Vertragstarife, z.B. der Telekom-Zweitmarke Congstar, gewechselt.

Diagramm: Kundenzahlen der Mobilfunk-Netzbetreiber in Deutschland Q4 2015

Marktgeschehen im Q4 2015 in Stichpunkten

  • Zahl der Mobilfunkverträge steigt um 428.000 auf 113,8 Mio. an
  • Telekom überschreitet Marke von 40 Mio. Mobilfunkverträgen
  • Vodafone mit erstem Zuwachs an Mobilfunkkunden seit Q1 2014
  • Telefónica bereitet technische Integration seiner Netze vor

Telefónica Deutschland schärft Markenprofile

Bei o2 wiederum sorgte der Business-Bereich im Q4 2015 für ein ordentliches Minus im Postpaid-Segment. Im Q4 2015 wurden so insgesamt 400.000 Business-Kunden mit inaktiven SIM-Karten aus der E-Plus Zeit ausgebucht. Durch die Bereinigung von Altlasten ist die Zahl der Postpaid-Verträge im o2 Netz unterm Strich um 226.000 auf 19 Millionen gefallen. Der Mobilfunkanbieter gibt sich davon aber weitgehend unbeirrt - letztlich handle es sich um einen rein buchhalterischen Effekt.

Vor allem die eigenen Ethno-Marken hatten o2 über die Sommermonate einen echten Rekordzuwachs an Prepaid-Verträgen beschert. Zum Jahresende hat sich das Prepaid-Geschäft nun saisonbedingt wieder deutlich abgekühlt, in Folge war die Zahl der o2 Prepaidverträge im Q4 2015 mit einem Minus von 24.000 Verträgen leicht rückläufig.

Nimmt man das Gesamtjahr 2015 in den Blick, kann sich o2 trotz der Verluste im Weihnachtsquartal aber durchaus zufrieden mit der Kundenentwicklung zeigen: Insgesamt konnte der Netzbetreiber in beiden Vertragssegmenten deutliche Zugewinne einfahren und hat die Gesamtzahl seiner Mobilfunkverträge um 938.000 auf 43 Millionen gesteigert.

Mit einem Relaunch der Marke Blau im Herbst hat Telefónica Deutschland eine Neuaufstellung seines Marken- und Tarifportfolios eingeläutet. Während o2 weiter als Kernmarke im Premium-Segment aufgebaut wird, soll Blau zukünftig über alle Vertriebskanäle hinweg den "Non-Premium" Bereich bedienen.

Base hingegen wurde zur reinen Online-Marke zurückgestutzt. Im Februar 2016 hat Telefónica die eigenständigen Base- und E-Plus-Tarife schließlich komplett eingestellt und die verbleibenden Kundenverträge auf o2 überführt. Aktuell werden über das Base Online-Portal so nur noch Tarife auf Basis der o2 Blue Angebote vertrieben, erst zu einem späteren Zeitpunkt soll dann eine "grundlegende Neupositionierung als reine Online-Marke" folgen. Grundsätzlich will Telefónica aber weiterhin breit aufgestellt bleiben und mit seinen anderen Zweitmarken Simyo, Fonic, Netzclub, AY Yildiz und Ortel Mobile zusätzliche Zielgruppen abdecken.

Gesamtjahr 2015 o2 Telekom Vodafone

Mobilfunkverträge

+ 938.000

(+ 2,23%)

+ 1.384.000

(+ 3,55%)

- 1.126.000

(- 3,57%)

Postpaidverträge

+ 309.000

(+ 1,65%)

+ 1.422.000

(+ 6,38%)

+ 682.000

(+ 4,30%)

Prepaidverträge

+ 629.000

(+ 2,69%)

- 38.000

(- 0,23%)

- 1.808.000

(- 11,55%)

Vodafone mit erstem Netto-Zugewinn seit anderthalb Jahren

Schon länger gab es bei Vodafone zaghafte Anzeichen für eine Trendwende, jetzt hat der Netzbetreiber das erste Etappenziel erreicht: Zum ersten Mal seit anderthalb Jahren konnte Vodafone im Q4 2015 wieder einen Netto-Zuwachs an Mobilfunkverträgen verbuchen - unterm Strich ist die Zahl der Mobilfunkteilnehmer im Vodafone-Netz um 173.000 auf 30,39 Mio. angestiegen. 

Nachdem anhaltend starke Verluste im Prepaid-Segment Vodafones Kundenbilanz immer wieder ins Minus gezogen hatten, konnte der Provider die Kundenabwanderung in diesem Segment zuletzt entscheidend eindämmen. Mit einem leichten Rückgang um 23.000 Verträge hat sich die Prepaid-Kundenbasis im Q4 vorerst stabilisiert.

Aber auch wenn Vodafone den positiven Trend bei der Kundenentwicklung aufrechterhalten kann, hat der Netzbetreiber viel Boden gutzumachen. Denn während o2 und die Telekom ihren Mobilfunk-Kundenstamm 2015 deutlich ausbauen konnten, ist die Zahl der Vodafone Mobilfunkverträge zwischen Januar und Ende Dezember um über eine Million abgerutscht.

Gemessen an der Gesamtzahl der Mobilfunkkunden liegt Vodafone ohnehin deutlich hinter Telefónica und Deutscher Telekom. Allerdings weicht hier auch die Zählung zwischen Vodafone und den beiden Konkurrenten ab. Bei Vodafone fließen nämlich weder die Mobilfunkkunden der virtuellen Netzbetreiber im Vodafone-Netz in die offizielle Statistik mit ein, noch die SIM-Karten aus dem M2M-Bereich, die für den starken Prepaid-Zuwachs bei Telekom gesorgt haben. Wie viele Mobilfunkverträge hierdurch ausgeblendet werden, verrät der Konzern jedoch nicht - in einem Interview mit der Wirtschaftswoche deutete der Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter aber zumindest an, dass Vodafone nach den Berechnungsmethoden der Mitbewerber auf "einige Millionen Kunden mehr" käme.


Diagramm: Marktanteile der Mobilfunk-Netzbetreiber in Deutschland Q4 2015

Netzausbau: Deutliche Fortschritte und große Pläne

Ein Faktor, der zur Erholung bei Vodafone beigetragen hat, ist die deutlich gestiegene Netzqualität. Hier musste sich der Mobilfunker zwischenzeitlich nämlich selbst erheblichen Aufholbedarf vor allem gegenüber der Telekom eingestehen (siehe auch SmartWeb Mobilfunk Report Q1 2014). Seit rund anderthalb Jahren hat Vodafone deshalb im Rahmen seiner europaweiten Netz-Offensive "Project Spring" auch hierzulande verstärkt in den Netzausbau investiert.

Gern verweist der Provider auf die letzten großen Netztests: Egal ob bei Stiftung Warentest, Connect, Chip oder Computer BILD - Vodafone hat in den Vergleichstests 2015 durchgehend einen guten bis sehr guten zweiten Platz erreicht, wobei Vodafone im Punkt Sprachqualität teils sogar besser abschnitt als der Platzhirsch Telekom.

Infolge des konsequenten LTE Ausbaus brachte es Vodafone zum Jahresende 2015 auf eine LTE Abdeckung von 84 Prozent, eine Steigerung um 11 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Die höchste Bevölkerungsabdeckung bietet mit ganzen 90 Prozent (+ 10pp) jedoch das LTE Netz der Telekom. Auch bei der maximal erreichbaren LTE Geschwindigkeit hinkt Vodafone der Telekom aktuell noch leicht hinterher. Während die Telekom bereits bis zu 300 Mbit/s liefert, beträgt die Spitzengeschwindigkeit im Vodafone Netz derzeit 225 Mbit/s. Im Laufe des Jahres will Vodafone aber nicht nur die eigene LTE Abdeckung weiter erhöhen, durch den Einsatz des im Rahmen der letztjährigen LTE Auktion (siehe auch Mobilfunk Report Q2 2015) ersteigerten 1800 MHz Frequenzband für LTE sollen 2016 Downloadraten von bis zu 375 Mbit/s möglich werden.

o2 hat seine LTE Abdeckung bis Ende 2015 wie geplant auf 75 Prozent gesteigert, wobei die maximale LTE Geschwindigkeit im o2 Netz aktuell noch auf 50 Mbit/s begrenzt ist. Diesen deutlichen Abstand zu den beiden Konkurrenten will o2 nun aber rasch schließen. Das heißt, zumindest in der "Netzwahrnehmung durch den Kunden" möchte o2 bis Ende 2016 mit den Mitbewerbern gleichziehen.

Nach der Umsetzung des UMTS Roamings zwischen dem o2 und dem E-Plus Netz in 2015 arbeitet o2 seit Januar 2016 nun an der Zusammenführung der beiden UMTS Netze. Dabei soll der Fokus 2016 noch klar auf den städtischen Ballungsräumen liegen, damit möglichst schnell möglichst viele Nutzer von den Verbesserungen profitieren können. Insgesamt wird sich die Netzintegration, laut o2 ein "in Europa einmaliges technisches Großprojekt", voraussichtlich über 5 Jahre hinwegziehen.

Während der Arbeiten an der UMTS Infrastruktur soll aber auch das LTE Netz zügig weiter ausgebaut werden. Darüber hinaus will o2 ab Mitte 2016 auch die gemeinsame LTE Nutzung ermöglichen. Alles in allem rechnet o2 für 2016 mit einem Anstieg der eigenen Netzinvestitionen im "niedrigen Zehnprozentbereich".

Mobilfunk-Serviceumsatz Q1 '15 Q2 '15 Q3 '15 Q4 '15 FY 2015
Logo Telekom

Telekom

1,677 Mrd. €

(+ 2,8%)

1,670 Mrd. €

(+ 0,1%)

1,692 Mrd. €

(- 0,4%)

1,673 Mrd. €

(- 0,4%)

6,712 Mrd. €

(+ 0,5%)

Logo Vodafone

Vodafone

1,501 Mrd. €

(- 3,2%)

1,515 Mrd. €

(- 2,1%)

1,525 Mrd. €

(- 2,8%)

1,516 Mrd. €

(- 1,7%)

6,057 Mrd. €

(- 2,43%)

Logo o2

o2

1,354 Mrd. €

(+ 91,6%)*

1,382 Mrd. €

(+ 89,8%)*

1,419 Mrd. €

(+ 88,2%)*

1,378 Mrd. €

(- 1,0%)

5,532 Mrd. €

(+ 0,1%)

*Prozentualer Zuwachs nicht um Effekt der E-Plus Übernahme bereinigt

Edel-Smartphones sorgen weiterhin für Umsatzwachstum

Trotz der deutlich gestiegenen Kundenzahlen erreichten die Mobilfunk-Serviceumsätze im Q4 2015 auch bei der Telekom und bei o2 nicht ganz das Niveau des Vorjahres - wobei die Telekom das leichte Minus im Q4 in erster Linie auf die Kundenrabatte im Rahmen der erfolgreichen MagentaEINS Kombitarife zurückführt (mehr zu diesen All-in-One Angeboten im DSLWEB Breitband Report Q4 2015).

Auf das Gesamtjahr gesehen, ist der Mobilfunk-Serviceumsatz bei beiden Anbietern gegenüber 2014 im Wesentlichen stabil geblieben. Beim Gesamtumsatz ihrer Mobilfunksparte konnte sie allerdings ein spürbares Umsatzwachstum verzeichnen - bei der Telekom betrug dieses 4,8 Prozent, bei o2 dürfte es sich (bereinigt um die Effekte der Fusion mit E-Plus) um die 2,7 Prozent belaufen.

Das deutliche Wachstum beruht vor allem auf dem weiter boomenden Endgeräteabsatz. Bei o2 beispielsweise sind die Umsatzerlöse aus Mobilfunk-Hardware im Gesamtjahr nochmals um ganze 16,3 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro angestiegen. Auch die Telekom führt das eigene Umsatzplus insbesondere auf das "Endgerätegeschäft ohne Vertragsbeziehung" zurück.

Die Provider konnten aber nicht nur hohe Stückzahlen an Smartphones absetzen, darüber hinaus waren besonders die hochpreisigen Flaggschiff-Modelle nachgefragt. Allgemein war vor allem das Interesse an LTE-fähigen Endgeräten groß, was natürlich Hand in Hand mit der wachsenden Verbreitung passender LTE Tarife und der steigenden mobilen Datennutzung geht.

Obwohl sich die Mobilfunkanbieter in Deutschland nicht mehr unbedingt mit Gerätesubventionen überschlagen, ist ihre Gewinnspanne im Hardwaregeschäft eher schmal. Die Telekom bereitet ihre Investoren jedenfalls bereits auf ein leichtes Umsatzminus im nächsten Jahr vor - als Folge der geplanten "Reduzierung des niedrigmargigen Handelswarengeschäfts mit Mobilfunk-Endgeräten".


Weiterführende Informationen zu den einzelnen Anbietern

Als Ergänzung zum vierteljährlich erscheinenden Mobilfunk Report bereitet SmartWeb die Geschehnisse auf dem deutschen Markt in News-Meldungen auf und stellt zusätzliche Info-Grafiken zu den einzelnen Netzbetreibern bereit. Der Stand zum 4. Quartal 2015:



DSLWEB Archiv: Der deutsche Mobilfunkmarkt im Rückblick

Die Quartalsberichte, die SmartWeb regelmäßig veröffentlicht, bilden immer nur den aktuellen Stand der Verhältnisse auf dem deutschen Mobilfunkmarkt ab. Um Trends zu verfolgen und Rückschlüsse auf die Marktentwicklung ziehen zu können, bedarf es den Blick auf längerfristige Zeiträume.

SmartWeb begleitet den deutschen Mobilfunkmarkt seit 2012 mit vierteljährlichen Reports. Über den Gesamtindex lassen sich alle bisherigen Ausgaben zentral abrufen.

Zur Gesamtübersicht: SmartWeb Mobilfunk Report Deutschland

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