Q4 2016: Boom-Jahr für das Postpaid-Segment

SmartWeb Mobilfunk Report Deutschland Q4 2016

Die deutschen Netzbetreiber konnten die Zahl ihrer Mobilfunkverträge 2016 deutlich erhöhen, zudem ist der Postpaid-Anteil nochmals kräftig angestiegen. Zu höheren Mobilfunkumsätzen hat das jedoch nicht geführt - und in den nächsten Monaten wartet gleich eine ganze Reihe an Herausforderungen, welche die Umsatzzahlen zusätzlich belasten dürften.

Aktualisiert 05.04.2018
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Die Zahl der Mobilfunkkundenverträge ist 2016 so stark gewachsen wie seit dem Boom-Jahr 2011 nicht mehr. Zwischen Januar und Ende Dezember haben die drei deutschen Netzbetreiber unterm Strich um rund 2,96 Millionen auf knapp 116,79 Millionen Kundenverträge zugelegt. Allein im Q4 2016 ergab sich dabei ein Netto-Plus von 742.000 Kundenverträgen.

Besonders geprägt war das Mobilfunkjahr 2016 aber von der raschen Verlagerung weg vom Prepaid- hin zum lukrativeren Postpaid-Geschäft. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich ein Netto-Zuwachs von 3,1 Millionen Langzeitverträgen, deren Gesamtzahl damit auf 62,44 Millionen angewachsen ist. Die Zahl der aktiven Prepaid-Kundenverträge hingegen ist im gleichen Zeitraum um 142.000 auf 54,35 Millionen abgesunken.

Neuer Rekordzuwachs - Mehr Postpaid war nie

Die höchsten Zugewinne konnte einmal mehr die Deutsche Telekom verzeichnen. Im Q4 2016 legte die Zahl der Mobilfunkverträge im Telekom Netz um 388.000 auf knapp 41,85 Millionen zu. Auch bei der Telekom hat sich die Postpaid-Quote weiter erhöht: Im Q4 2016 konnte sie 514.000 zusätzliche Postpaid-Verträge verbuchen, während die Zahl der Prepaid-Verträge um weitere 126.000 zurückgegangen ist.

Selbst bei o2 mit seinem breiteren Kundenmix sind inzwischen vor allem Postpaid-Angebote gefragt. Im Q4 2016 hat die Zahl der o2 Laufzeitverträge so um 336.000 zugenommen, während im gleichen Zeitraum unterm Strich 89.000 weitere o2 Prepaid-Verträge weggefallen sind. Insgesamt ist die Zahl der Teilnehmer im Handynetz von o2 damit um 247.000 auf 44,32 Millionen geklettert.

Eher ausgewogen hat sich im Q4 2016 die Kundenbasis bei Vodafone entwickelt. Der Netzbetreiber konnte im Weihnachtsquartal sowohl Postpaidverträge (+ 61.000) als auch Prepaid-Verträge hinzugewinnen (+ 46.000). Insgesamt kam Vodafone so auf ein beschauliches Plus von 107.000 Verträgen und schloss das Jahr mit etwas über 30,6 Millionen Mobilfunk-Kundenverträgen ab.


Mobilfunk-Serviceumsatz stabil - trotz vieler Widrigkeiten

Fassen wir kurz zusammen: Die Mobilfunk-Kundenzahlen steigen und darüber hinaus greifen die Nutzer vermehrt zu den für die Netzbetreiber weitaus lukrativeren Laufzeitverträgen. Eigentlich sollte das auch deutlich höhere Serviceumsätze nach sich ziehen. Doch diese simple Rechnung geht nicht auf - tatsächlich nämlich sind die Serviceumsätze auf dem deutschen Mobilfunkmarkt 2016 sogar leicht um 0,6 Prozent auf rund 18,2 Mrd. Euro abgesunken.

Über den Schuldigen sind sich die Marktteilnehmer ausnahmsweise einig: Letztlich war es die Politik, die den Netzbetreibern einen Strich durch die Rechnung gezogen hat. Im Dezember stand so zunächst die Neuregelung der Terminierungsentgelte für Gespräche in die deutschen Mobilfunknetze an. Diese lief ganz und gar nicht nach den Vorstellungen der Netzbetreiber, die sich für eine leichte Erhöhung der Entgelte ausgesprochen hatten. Am Ende nämlich senkte die Bundesnetzagentur (BNetzA) die Gebühren stattdessen um volle 34 Prozent von bislang 1,66 auf 1,1 Cent ab. Über die nächsten beiden Jahre sollen sie sogar bis auf 0,95 Euro abgeschmolzen werden.

Bereits in den Geschäftszahlen zum Q4 2016 hat sich diese Anpassung sehr deutlich niedergeschlagen. Die Mobilfunk-Serviceumsätze von o2 beispielsweise lagen im vierten Quartal 2,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Ohne die Regulierungseffekte hätte sich laut o2 zwar auch ein Rückgang ergeben, dieser wäre mit 0,9 Prozent aber wesentlich moderater ausgefallen. Die Mobilfunk-Serviceumsätze der Telekom wurden durch die Regulierungsentscheidung laut eigener Aussage mit fast zwei Prozentpunkten belastet. Dass die Telekom ihren Mobilfunk-Serviceumsatz dennoch nahezu stabil halten konnte, sei wiederum ein klarer Beleg für die eigentlich starke Wachstumsdynamik.

Vodafone hat im Q4 2016 vor allem von der guten Entwicklung des Festnetzgeschäfts profitiert. Beim spartenübergreifenden Serviceumsatz verzeichnete Vodafone Deutschland dadurch einen ordentlichen Zuwachs von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bereinigt um die Neuregelung der Mobilfunk-Terminierungsentgelte wäre nach Unternehmensangaben allerdings sogar ein Plus von 2,2 Prozent drin gewesen.


KennzahlTelekomVodafoneo2

Mobilfunk-Serviceumsatz
Q4 2016

1,668 Mrd. €
(-0,3%)

1,516 Mrd. €
(+0,0%)

1,349 Mrd. €
(-2,1%)

Mobilfunk-Serviceumsatz
Gesamtjahr 2016

6,669 Mrd. €
(-0,6%)

6,077 Mrd. €
(+0,3%)

5,437 Mrd. €
(-1,7%)

Gesamtumsatz Mobilfunk
Q4 2016

2,072 Mrd. €
(+0,0%)

1,705 Mrd. €
(-3,56%)*

1,690 Mrd. €
(-5,7%)

Gesamtumsatz Mobilfunk
Gesamtjahr 2016

7,955 Mrd. €
(-3,4%)

6,666 Mrd. €
(-3,75%)*

6,498 Mrd. €
(-4,9%)


Neue Roaming-Regelung wirft Schatten voraus

Die schrittweise Absenkung der nationalen Terminierungsentgelte ist längst nicht die einzige bittere regulatorische Pille, welche die Netzbetreiber in den nächsten Monaten zu schlucken haben. Denn ab kommenden Sommer werden sie zudem auf die Roaming-Gebühren innerhalb der Europäischen Union verzichten müssen.

Im April 2016 wurden die Roaming-Gebühren bereits stark zurückgestutzt, ab dem 15. Juni 2017 sollen die Anbieter ihren Kunden schließlich weder für Gespräche noch die Internetnutzung im EU-Ausland mehr zusätzliche Kosten in Rechnung stellen können. Einige Ausnahmen räumt die EU allerdings ein - beispielsweise wird die Tarifnutzung im EU-Ausland auf vier Monate pro Jahr beschränkt, zudem werden weiterhin Obergrenzen für den Datenverbrauch im Ausland gelten. Durch diese Art von Sicherheitsmaßnahmen soll verhindert werden, dass de facto ein europäischer Mobilfunkmarkt entsteht, auf dem alle ansässigen Mobilfunkanbieter direkt miteinander konkurrieren.

Auch wenn nicht alle Schranken fallen, dürfte die neue Roaming-Regelung den Netzbetreibern dennoch spürbar zusetzen. Telefónica Deutschland beispielsweise rechnet damit, dass sich die Kombination aus abgesenkten Terminierungsentgelten und gestrichenen Roaming-Gebühren bereits 2017 mit rund drei bis vier Prozent negativ auf die eigenen Mobilfunk-Serviceumsätze auswirken wird.

Natürlich haben die Provider keineswegs vor, diese Einnahmeausfälle einfach so zu schlucken. Letztlich werden die Effekte also auf die Endverbraucher umgelegt werden - wobei sich hier bereits unterschiedliche Ansätze herauskristallisiert haben.

Die großen Netzbetreiber etwa profitieren hier von ihrer aktuellen "Mehr für Mehr"-Strategie: Sie haben das kostenlose EU-Roaming einfach schon im Vorfeld als Zusatzleistung in ihre Premium-Tarife integriert. Der stetige Ausbau von Tarifleistungen hat den Premium-Providern wiederum Spielraum für Preiserhöhungen verschafft. Erstmals seit mehreren Jahren sind die Tarifpreise im Premium-Segment 2016 so auch wieder angestiegen.

Anders gehen einige Discounter an die Sache heran. Statt das Preisniveau anzuheben, wollen sie der Auslands-Nutzung einen generellen Riegel vorschieben. DeutschlandSIM, Callmobile und Yourfone beispielsweise haben dazu im Frühjahr 2017 neue "nationale" Mobilfunktarife eingeführt, deren Nutzung standardmäßig auf die deutschen Handynetze beschränkt ist. Wer im Urlaub telefonieren und surfen möchte, muss zu einer teureren Tarifvariante greifen. Ob dieser Kniff allerdings wirklich auf sicheren rechtlichen Füßen steht, könnte noch zum Gegenstand von Diskussionen werden.


Hardwaregeschäft: Weitere Umsatzsäule gerät ins Wanken

Auf einen Umsatzbringer konnten sich die Mobilfunkanbieter lange Zeit verlassen - das Hardwaregeschäft. Gerade in den vergangenen Monaten hat sich die Marktlandschaft aber grundlegend gewandelt. Nicht nur ist die Mehrheit der Mobilfunkkunden bereits mit einem Smartphone ausgestattet, darüber hinaus sind essenzielle Features wie die LTE-Unterstützung inzwischen auch bei günstigeren Geräten Standard - ein großer Teil der Smartphones im Umlauf ist also durchaus zukunftsfähig. Darüber hinaus war zuletzt auch im Highend-Bereich eher Evolution statt Revolution angesagt. All das hat zwei wesentliche Konsequenzen: Zum einen haben sich die Austauschzyklen deutlich verlängert, zum anderen geht der Trend hin zu günstigeren Mittelklasse-Smartphones.

Die Zahlen spiegeln das deutlich wider: So konnte beispielsweise Telefónica Deutschland im Q4 2015 noch ein kräftiges Umsatzplus von 17,9 Prozent im Hardwaregeschäft verbuchen. Ein Jahr später aber hat sich dieser Höhenflug wieder erledigt - im Vergleich zum Vorjahresquartal sackten die Hardware-Umsatzerlöse von Telefónica im Q4 2016 um 17,6 Prozent ab.

Auch der Mobilfunkumsatz der Deutschen Telekom profitierte Ende 2015 noch stark von der hohen Smartphone-Nachfrage. Gleichzeitig allerdings stimmte die Telekom ihre Investoren bereits auf eine zu erwartende Abkühlung des Endgerätegeschäfts ein (siehe auch SmartWeb Mobilfunk Report Q4 2015). Und genauso kam es: In seinem Jahresabschluss 2016 führt das Unternehmen diese Entwicklung sogar als einen der "wesentliche Gründe" für den aktuellen Umsatzrückgang auf dem Heimatmarkt an. Ohne das Endgerätegeschäft, heißt es, wären die Gesamtumsätze des Deutschland-Segmentes hingegen nahezu stabil geblieben.

Gänzlich ungelegen kommt den Mobilfunkprovidern diese Entwicklung allerdings nicht. Denn grundsätzlich war das Hardwaregeschäft seit jeher eher margenschwach und wurde von Anbietern wie der Telekom daher zuletzt auch bewusst zurückgefahren. Damit rückt die Vermarktung von SIM-only Angeboten derzeit wieder stärker in den Vordergrund. Gerade Vodafone kann diesem Modell ausdrücklich einiges Positives abgewinnen: Nicht nur führe der Hardware-Verzicht zu niedrigeren Distributionskosten, darüber hinaus verringere sich auch die Support-Nachfrage, was wiederum geringere Kosten für die Service-Hotline und einen erleichterten Online-Vertrieb nach sich zieht.

Non-Premium Marktsegment bleibt Risikofaktor

Überhaupt nimmt Vodafone derzeit gerne die Rolle des großen Mahners ein. Um das Premium-Segment vor ruinösen Preiskämpfen zu bewahren, fordert Vodafone auch von den Mitbewerbern Kostendisziplin und eine konservativere Preisgestaltung ein. Grundsätzlich verfolgen die großen Netzbetreiber aber ohnehin ähnliche Ansätze und steuern den Premium-Markt mit ihren "Mehr-für-Mehr"-Strategien aktuell in vergleichsweise ruhiges Fahrwasser.

Einen anhaltenden Risikofaktor stellt für Vodafone allerdings der Non-Premium Bereich dar. Selbst wenn sich der Preisdruck zuletzt auch hier leicht entschärft hat, ist es keineswegs ausgeschlossen, dass gerade kleinere Marktteilnehmer rasch wieder auf eine aggressivere Preispolitik umschwenken. Den Netzbetreibern ist deshalb weiterhin sehr daran gelegen, ihre Premium-Produkte möglichst stark vom breit aufgestellten Discount-Markt zu differenzieren.

Der wichtigste Hebel ist hier nach wie vor der Zugang zum schnellen LTE Netz. Den haben zum einen derzeit nur wenige Drittanbieter und virtuelle Netzbetreiber (MVNOs), zum anderen können diese in ihren Angeboten meist nur eingeschränkte LTE Geschwindigkeiten bereitstellen. Geht es nach Vodafone, dürfte sich daran so schnell auch nichts ändern: Der Netzbetreiber hat die strategische Entscheidung getroffen, auf absehbare Zeit keinem MVNO einen vergünstigten Zugang zum eigenen LTE Netz zu gewähren. Das sei zwar keine generelle Absage an entsprechende 4G-Kooperationen, aber unter Wert werde man seine LTE Kapazitäten auf gar keinen Fall verkaufen. Laut Vodafone-CEO Vittorio Colao sei man andernfalls mehr als gewillt, einen rigiden Zwei-Klassen-Markt zu schaffen (vergleiche SmartWeb Mobilfunk Report Q3 2016).

Wie wichtig es ist, eine starke Marktdifferenzierung durchzusetzen, zeigt Telefónica. Der kundenstärkste deutsche Netzbetreiber hat nämlich mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Zum einen leidet er noch immer an einem stark Prepaid-lastigen Kundenmix, auch wenn Telefónica in Hinsicht auf die Postpaid-Quote zuletzt deutlich aufholen konnte. Dazu kommt jedoch, dass der Großteil der hinzugewonnenen Postpaidverträge nicht etwa auf das Konto der Telefónica-Kernmarken geht, sondern aus dem Partnergeschäft stammt. Auf das Gesamtjahr 2016 gesehen, waren die diversen Partnermarken im o2 Netz so für 54 Prozent der Postpaid-Neuzugänge verantwortlich.

Was diesem Trend entgegenwirken könnte, ist die Neuaufstellung des eigenen Markenportfolios. Diese hat Telefónica im Q4 2016 nun endgültig abgeschlossen. Darüber hinaus hat das Unternehmen im Oktober 2016 sein neues Premium-Tarifportfolio o2 Free an den Start gebracht, das sich mit einem unbegrenzten Datenvolumen stark von anderen Produkten auf dem Markt absetzen soll. Letztlich gibt sich Telefónica vorerst aber nur vorsichtig optimistisch. Trotz allem rechnet der Netzbetreiber nämlich damit, dass sich die Verlagerung vom Retail- in das Wholesale-Geschäft 2017 fortsetzen und den Mobilfunk-Serviceumsatz weiter belasten wird.


Weiterführende Informationen zu den einzelnen Anbietern

Als Ergänzung zum vierteljährlich erscheinenden Mobilfunk Report bereitet SmartWeb die Geschehnisse auf dem deutschen Markt in News-Meldungen auf und stellt zusätzliche Info-Grafiken zu den einzelnen Netzbetreibern bereit. Der Stand zum 4. Quartal 2016:




DSLWEB Archiv: Der deutsche Mobilfunkmarkt im Rückblick

Die Quartalsberichte, die SmartWeb regelmäßig veröffentlicht, bilden immer nur den aktuellen Stand der Verhältnisse auf dem deutschen Mobilfunkmarkt ab. Um Trends zu verfolgen und Rückschlüsse auf die Marktentwicklung ziehen zu können, bedarf es den Blick auf längerfristige Zeiträume.

SmartWeb begleitet den deutschen Mobilfunkmarkt seit 2012 mit vierteljährlichen Reports. Über den Gesamtindex lassen sich alle bisherigen Ausgaben zentral abrufen.

Zur Gesamtübersicht: SmartWeb Mobilfunk Report Deutschland

Alle SmartWeb Mobilfunk-Reports aus dem Jahr 2016 lassen sich auch direkt über folgende Links erreichen: