Geschäftsbericht 2024
1&1 Mobilfunk Q4 2024: Netzausfall kostet Nerven, Zeit und Kunden
Der Ärger für den neuen vierten Netzbetreiber reißt nicht ab. Bereits im Mai legt eine Netzstörung schwere Planungsfehler offen, die auch die schon angelaufene Kundenmigration auf das 1&1 Netz empfindlich verzögert. Nun ja, nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Kein Kundenboom nach Netzstart
1&1 hat sein erstes volles Jahr als Mobilfunk-Netzbetreiber hinter sich. Seit Anfang Dezember 2023 tummeln sich die ersten Nutzer im Regelbetrieb des neuen vierten Mobilfunknetzes In Deutschland.
Die Zahl der Mobile Internet Kundenverträge bei 1&1 hat im Geschäftsjahr 2024 allerdings eher verhalten zugelegt. Sie ist im Zeitraum zwischen Januar und Ende Dezember 2024 so um lediglich 190.000 auf 12,44 Millionen Kundenverträge angestiegen. Zum Vergleich: Im Jahr 2023 hatte 1&1 unterm Strich noch 570.000 Mobilfunkverträge hinzugewonnen.
1&1 Kundenzahlen im Q4 2024
- Mobilfunk-Kundenverträge:
12,44 Mio. (+60.000) - Breitband-Kundenverträge:
3,95 Mio. (-20.000)
1&1 Netzstörung mit weitreichenden Konsequenzen
Tatsächlich ist das vergleichsweise schwache Kundenwachstum direkt auf einen Vorfall aus dem Mai 2024 zurückzuführen. Ein mehrtägiger Netzausfall hat nicht nur eine umgehende Kündigungswelle ausgelöst, sondern auch noch andere weitreichende Konsequenzen nach sich gezogen.
Im Zuge der Entstörung hatte sich nämlich gleich noch gezeigt, dass die technischen Kapazitäten in den beiden bereits aktiven Core-Rechenzentren deutlich zu knapp bemessen waren. Im Sommer 2024 musste 1&1 hier deshalb zunächst einmal aufwendig nachrüsten. Ebenso verzögerte sich der Livegang der beiden noch fehlenden Core-Rechenzentren auf das vierte Quartal 2024.
Damit aber nicht genug: In Folge musste die bereits laufende Migration von Bestandskunden auf das neue 1&1 5G Netz über längere Zeit heruntergefahren werden. Erst seit dem Q4 2024 läuft der Migrationsprozess nun wieder im geplanten Umfang weiter.
Prognose 2025: Kundenmigration frisst Wachstum
Im Geschäftsjahr 2025 steht für 1&1 die Kundenmigration auf das eigene Netz im Fokus. Stand März 2025 sind bereits über 6 Millionen Kunden auf das 1&1 Netz überführt worden. Derzeit werden etwa 50.000 Kunden pro Tag migriert, diese Schlagzahl soll jedoch noch weiter auf rund 80.000 erhöht werden. Das Ziel ist klar: Bis Jahresende soll die Kundenmigration planmäßig abgeschlossen sein.
Denn auch das Großprojekt Kundenmigration wird 1&1 wieder ein substanzielles Maß an Altverträgen kosten. Zum einen dürfte der Prozess viele "Karteileichen" aufdecken, zum anderen wird die Überführung in einige Fällen mit Zusatzaufwand verbunden sein - was erfahrungsgemäß nicht jeder Kunde mitmachen wird. Denn obwohl die Migration meist automatisch ablaufen kann, wird bei einem Teil der Kunden zunächst ein Tausch der SIM-Karte erforderlich sein.
Diese Effekte dürften vor allem in der ersten Jahreshälfte zu spüren sein. Die Kundenmigration läuft bereits auf Hochtouren, die Spitze soll im Q2 2025 erreicht werden. Danach soll sich die Situation Schritt für Schritt normalisieren. Für das Jahr 2026 prognostiziert 1&1 dann auch wieder einen Netto-Kundenzuwachs in der normalen Größenordnung.
Gleichzeitig muss 1&1 natürlich auch Druck beim Netzausbau machen. Immerhin: Das verfehlte Ausbauziel von Ende 2022 ist inzwischen endlich erreicht und beim Aufbau von neuen Standorten hat 1&1 laut eigener Aussage mit den etablierten Konkurrenten gleichgezogen - derzeit komme man pro Quartal auf 200 bis 300 neue Standorte.
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