Perspektiven nach 5G-Versteigerung

Frequenzauktion: Katerstimmung nach Versteigerung der 5G Lizenzen?

SMARTWEB News | , 15:28 Uhr | Florian Ilg

Was man sonst nur von Sotheby's kennt, fand kürzlich bei der Versteigerung der 5G-Lizenzen statt. Die Eigendynamik, die jeder Auktion innewohnt, trieb die Angebote und damit die Spannung bis zuletzt auf die Spitze. Aber wie geht es jetzt weiter? Viele Konzepte stecken in der Pipeline und warten auf ihre Umsetzung.

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LTE-Mast Telekom

Die neueste Versteigerung der deutschen Mobilfunkfrequenzen hat ihr Ende gefunden. Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Drillisch bezahlen, laut Bundesnetzagentur, für die 5G-Frequenzen insgesamt 6,55 Milliarden Euro. Sie übertreffen alle Erwartungen und machen damit einen Deal der Superlative. 

Der Morgen danach oder die Frage, was kommt jetzt?

Doch der Kopf ist schwer nach dem Bietermarathon. So mancher fragt sich, ob es das wert war und ob die hohen Kosten Deutschland als Technologieland nicht zurückwerfen. Eine einfache Rechnung: Für dasselbe Geld wären 50.000 neue Mobilfunkmasten möglich gewesen, so Hannes Ametsreiter, CEO Vodafone Deutschland. Ein Argument, das auch Dirk Wössner, Vorstand der Telekom aufgreift. Und tatsächlich handelt es sich um eine brisante Zahl - hat doch Vodafone in ganz Deutschland derzeit insgesamt 25.000 Mobilfunkstationen.

Das Geld wird an anderer Stelle fehlen, darin sind sich alle einig. Das Ziel von flächendeckendem Netz gerade in strukturschwachen Gebieten, das hohen Symbolcharakter hat, rückt so in noch weitere Ferne. Eine Lösung wird von vielen in der Schmiedung von Kooperationen und Allianzen gesehen.

1&1 United Internet - Newcomer oder Nesthäkchen?

Gewinner scheint United Internet mit seiner Marke 1&1 Drillisch zu sein, da der Anbieter sich für sein G5-Netz viel vorgenommen hat – insbesondere, da er bislang kein eigenes Netz hatte und sich bei den anderen einkaufen musste.

Gemunkelt wird aber, dass die ersteigerten Frequenzen zunächst nur in Ballungsräumen zum Einsatz kommen werden, während der Netzbetreiberneuling in strukturschwächeren Regionen weiter auf das Netz von Telefónica Deutschland zurückgreift. Aufgrund seiner Fusion mit E-Plus muss Telefónica laut einer EU-Auflage bis 2030 entsprechende Kapazitäten bereitstellen.

Auch die Bundesnetzagentur nimmt den Neuling in Schutz im Sinne eines fairen Wettbewerbs. National Roaming muss danach 1&1 prinzipiell ermöglicht werden und ist zugleich ein Szenario, das auch die Mitbewerber nicht für ausgeschlossen halten. Bleibt abzuwarten wie diese sich konkret verhalten und inwiefern sie sich auf einen Deal einlassen werden.  

"Unter fairen Bedingungen können Kooperationen unter den Netzbetreibern eine Win-Win-Situation ergeben, die den Netzausbau nicht nur wirtschaftlicher macht, sondern auch deutlich schneller voranbringt", so ein Sprecher von United Internet. Allerdings ist es gerade die geringe Reichweite der 3,6 GHz-Frequenzen, die es schwierig machen dürfte, selbst in Großstädten ein flächendeckendes Netz zu realisieren.

Auf der Suche nach dem fehlenden Netz

Bleibt also die Gretchenfrage nach 6,55 Milliarden Ersteigerungskosten: Wer baut das flächendeckende Netz, das für uns alle so wichtig sein soll? Hier besteht anscheinend Klarheit. Schon die LTE-Auktion 2015 war – allerdings ohne 1&1 - mit Auflagen verbunden, wie z. B. die Verpflichtung bis Ende 2019 eine 4G-Netzabdeckung von 98 Prozent zu bieten.

Ähnlich fielen die Auflagen bei der Versteigerung von 5G aus. So bestimmte die Bundesnetzagentur, dass die Netzbetreiber bis Ende 2022 mindestens 98 % der Haushalte mit mobilem Internet mit mindestens 100 MBit/s versorgen sollen - ausgenommen 1&1.

Damit fordert die Bundesnetzagentur die Verantwortung der künftigen 5G-Netz-Betreiber für den Normalbürger ein, um die sich diese, vor allem in strukturschwachen Räumen, naturgemäß drücken. Denn klar ist, dass es vor allem die Wirtschaft und nicht der Einzelne sein dürfte, die vom 5G profitiert. Industrien wie die Robotik oder das autonome Fahren sind auf 5G angewiesen. Mit Smart Home, dem privaten Pendant zur Smart Factory, sind Entwicklungen am Start, die allerdings nicht unbedingt weniger Potential bieten. Etwa die zunehmende Vernetzung von Devices in Heim und Garten, Bestell- und Lieferservices via Drohnen usw.  

Mit Smart Factory in die Zukunft

Allein das Stichwort "Smart Factory" birgt Zündstoff. In Verbindung mit KI, der künstlichen Intelligenz, entstehen hier völlig neue Möglichkeiten. Die Idee einer sich selbst steuernden Fertigung zum Beispiel, in der unterschiedlichen Devices über Maschinensemantik komplex miteinander kommunizieren und Produktionsprozesse koordinieren. Auch völlig neue Möglichkeiten der HMI (Human Machine Interface), wie z. B. die immer besser werdende Sprachsteuerung, werden so möglich. Reaktionen in Echtzeit Datenmengen bis zu zehn GBit/s sollen unsere Gesellschaft revolutionieren.

Möglichkeit oder Risiko? Auf der einen Seite werden kritische Stimmen laut. Zu groß seien die Veränderungen und Risiken für bestehende Strukturen, die die Vernetzung über 5G mit sich brächten - etwa die der Zuliefererindustrie. Daneben werden erste gesundheitliche Bedenken laut. Auf der anderen Seite steht die Forderung, das Tempo anzuziehen um den Anschluss nicht zu verpassen - etwa bei der KI.

Ein Konzept kommt selten allein 

Tatsächlich gibt es bislang vor allem Prototypen von 5G-fähigen Handys. Lediglich Samsung scheint kurz davor zu sein, eines auf den Markt zu bringen. Ebenso wenig gibt es bereits ein selbstfahrendes Auto - und schon gar nicht mehrere. Dabei ist man konzeptionell bereits bei den Drohnen und den Flugtaxis angekommen. Nicht zu vergessen der Stromtrassenausbau, denn alle diese Konzepte verbrauchen enorme Mengen von Strom, der natürlich möglichst auch ökologisch generiert sein will.

Doch spürt man einen ersten Druck auf Industrie und Politik - vor allem beim Individualverkehr, auf den wohl keiner verzichten möchte. Nicht zuletzt auch wegen der "Friday for Future"-Aktivisten. Konzepte wie der E-Roller scheinen sich großer Beliebtheit zu erfreuen und sollen schnelle Ergebnisse bringen. Auch komplexes Carsharing kann über zunehmende Vernetzung und schnelleres Internet einfacher gemacht werden. An Ideen und Konzepten für 5G-Anwendungen fehlt es also nicht. Lediglich bei der Umsetzung werden wir wohl alle noch etwas warten müssen.


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