Urteil zu o2 Handyverträgen: Datenautomatik auf der Kippe?

SmartWeb News | , 17:05 Uhr | Thomas Rauh

o2 Zentrale

Darf o2 seinen Mobilfunkkunden automatisch kostenpflichtiges Zusatzvolumen aufbuchen? Nein, entschied nun das Landesgericht München und urteilte damit gegen das Geschäftsmodell "Datenautomatik". Geklagt hatte die Verbraucherzentrale Bundesverband.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hatte gegen den o2 Mutterkonzern Telefónica geklagt und bereits am 11. Februar 2016 Recht bekommen: Kostenpflichtige Datenpakete, so das OLG München, dürften nicht ohne Zustimmung des Kunden gebucht werden. Aus der Vertragsstruktur der o2 Handytarife sei zudem "nicht ausreichend klar, eindeutig und unmissverständlich ersichtlich", was es mit der Datenautomatik auf sich habe.

Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, denn o2 Mutterkonzern Telefónica kündigte am Freitag an, Berufung einzulegen. Sollte o2 mit der Berufung scheitern, könnte die Entscheidung allerdings ein richtungsweisendes Signal für die gesamte Mobilfunkbranche abgeben. Die sogenannte Datenautomatik stellt eine weit verbreitete Praxis dar, der sich nicht nur o2 bedient.

Hintergrund: Was bedeutet Datenautomatik?
Die Datenautomatik bietet den Mobilfunkanbietern im Prinzip eine Möglichkeit, zusätzliche Einnahmen zu generieren. Auch sehr günstige Smartphone Tarife können den Providern so noch einige Euro mehr pro Monat bescheren. Bei o2 ist die Datenautomatik zum Beispiel Bestandteil der o2 Blue Tarife.

Wie bei jedem Smartphone Tarif verfügt der Kunde über ein monatliches Highspeed-Volumen, das vorgibt, bis zu welcher Grenze die optimale Internet-Geschwindigkeit zur Verfügung steht. Hat der Nutzer sein Kontingent aufgebraucht, wird im Normalfall auf einen Bruchteil heruntergefahren. Nicht so jedoch bei o2: Hier bekommt der Kunde bis zu drei Mal weitere Datenpakete aufgebucht. Je nach Tarif kosten diese 2 €, 3 € oder 5 €. Im Extremfall entstehen also Zusatzkosten von bis zu 15 Euro pro Monat. Über jede Aufbuchung wird der Kunde per SMS informiert.

Datenautomatik bei o2

Doch dem nicht genug: Bis vor Kurzem bezog die Regelung sogar eine Daten-Option ein. Beanspruchte ein o2 Kunde drei Monate in Folge alle Datenpakete, buchte o2 den Kunden automatisch in eine Tarif-Erweiterung mit mehr Volumen hinzu. Wenngleich die Tarif-Erweiterung mittlerweile abgeschafft wurde, will Telefónica zumindest an den automatischen Datenpaketen festhalten.

SmartWeb Tipp: Datenautomatik abschalten
Das Urteil des Landesgericht München ist zu begrüßen und wäre - wenn es rechtskräftig wird - ein Sieg für den Verbraucher. Wer derzeit einen Handytarif mit Datenautomatik besitzt, sollte prüfen, ob sich diese deaktivieren lässt. Der o2 Kundenservice stellt die automatische Aufladung auf Wunsch ab. Bei anderen Anbietern ist das zum Teil nicht möglich. Hier können Kunden ihr Volumen nur scharf im Auge behalten. Einer der wenigen Anbieter ohne Datenautomatik ist übrigens die Telekom.

Nachtrag vom 03.03.2016: Zum Streitthema Datenautomatik haben wir bei Telefónica Deutschland genauer nachfragt. Pressesprecher Ralf Opalka stand uns zur Verfügung und äußerte sich zur Sicht des Unternehmens, zur Berufung und zu den Vorteilen der automatischen Aufbuchung: Pro und Kontra Datenautomatik: Das sagt o2



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